Die Schere zwischen Arm und Reich – so weisen Statistiken aus – geht immer weiter auseinander. Man meint damit, wie viel jemand verdient und was auf irgendwelchen Konten an Vermögen vorhanden ist. Nicht nur beim Geld ist es so. Es stimmt auch in Bezug auf die Zeit, die jemand zur Verfügung hat. Und wie beim Geld, so ist es auch bei der Zeit. Es gibt die Großzügigen, die zum Teilen ihrer Zeit bereit sind, und es gibt die Geizhälse, die alle Zeit nur für sich selber haben wollen. In diesen Wochen werden in den Pfarren Kandidatinnen und Kandidaten für die bevorstehenden Pfarrgemeinderatswahlen gesucht. Viele, die sich mit dieser Suche abmühen, machen dabei die erstaunliche Erfahrung: Zeit zu spenden sind vor allem Leute bereit, die ohnehin schon ein gehöriges Maß an Zeit für andere geben. Selten trifft man auf jemanden, der viel Zeit hat und sagt: Ja. Ich mache mit, weil ich meine Zeit verwenden möchte. Das ist die andere Erfahrung: Dass jemand, der nur für sich selbst Zeit hat, bei sich selber – nur bei sich selber – bleibt. Bei der Zeit ist es wie mit jedem anderen Besitz: das Wunder ereignet sich im Teilen. Schließlich fängt auch das Leben mit einer Zellteilung an.