Sie beten mit Kindern, stehen Menschen in der Trauer bei oder versuchen sich als Professor/innen auf die Vorgänge im Vatikan einen Reim zu machen. Kirchenmitarbeiter/innen stellten letzte Woche beim 1. Linzer Theotag ihre vielfältigen Arbeitsfelder vor.
Ausgabe: 2012/03, Kirche, Karriere, Kinder, Vatikan, Arbeitsfelder, Papst, Frauen
Ungefähr 100 junge Menschen der beiden letzten Jahrgänge von AHS und BHS wollen es beim 1. Linzer Theotag am 10. Jänner genau wissen, was ihre Karrierechancen in der Kirche sind. Begrüßt werden sie von Landeshauptmann Josef Pühringer, dem wohl bekanntesten Religionslehrer im Lande. Den Job als Religionslehrer habe er liebend gerne gemacht, betont er. Es sei ein Beruf, der viel an fachlicher und menschlicher Kompetenz erfordere. Der Grundberuf des ÖVP-Spitzenpolitikers ist nach wie vor attraktiv – vor allem für junge Frauen. Diese zieht es nach der Eröffnung zahlreich zu dem Info-Workshop über angehende Religionslehrer/innen. „Ich weiß, dass die meisten mit Religion nicht mehr viel am Hut haben, mir ist es aber wichtig, den Kindern den Glauben beizubringen“, erzählt eine junge Maturantin in der Runde über ihre Motivation.
Frauen als Papst. Tipps für die ultimative Kirchenkarriere bietet Prof. Günther Wassilowskys geschichtliche Vorlesung „Wie werde ich Papst?“. Altbekannt: Päpste waren stets Männer, die (zumindest offiziell) ohne Frau lebten. Weniger bekannt: Grundsätzlich muss man dazu kein Priester sein. Während im Mittelalter eine große und wohlgesonnene Verwandtschaft vorteilhaft war, ist diese Vetternwirtschaft heute aufgrund der geheimen Papstwahl Geschichte. „Für Frauen ist das Papstamt grundsätzlich nicht anzustreben“, sagt Wassilowsky. „Es ist aber möglich, dass sich das einmal ändert.“ Die Schülerinnnen Isa Kirchberger (17) und Katharina Zott (18) hören sich die Vorlesung aus purem Interesse an. Sie würden den Chefposten nicht anstreben, aber: „Es ist schon ungerecht gegenüber den Frauen, dass wir nicht Papst werden dürfen“, findet Isa: „Das hat irgendwer einmal so bestimmt. Gottes Wille ist das nicht“, glauben die jungen Frauen.
Freunde verstehen das nicht. Während beim Theotag der Zulauf zu den kirchlichen Berufsfeldern Religionslehrer/in oder Telefonseelsorger/in groß ist, ist der Charakter der Priester-Workshops sehr privat. Einer der wenigen Interessenten ist Lukas Hammerer, 17, aus Baumgartenberg. Er weiß, dass sein Interesse an einem Leben im Kloster ungewöhnlich ist. „Meine Freunde verstehen das gar nicht“, sagt er. Für Lukas ist es noch offen, ob er in ein Kloster eintritt. Fix ist, dass er in jedem Fall für die katholische Kirche arbeiten möchte. Weltpriester Heinz Purrer und der Ordensmann Pater Franz Ackerl wollen ihm Geschmack machen für die priesterliche Lebensform. Der Zölibat habe auch Vorteile organisatorischer Natur, betont Purrer: „Ich kann mich zum Beispiel um Angehörige bei den Trauerfällen jederzeit kümmern, ohne auf eine Familie Rücksicht nehmen zu müssen.“