Das Glas ist leer. Also gehe ich in den Keller und hole ein frisches. Marmelade aus der Ernte des vorigen Jahres – wunderbar! Im Winter wächst nichts. Da muss man auf die Ernte vergangener Tage zurückgreifen. Mit der Zuversicht – auch in Bezug auf die Kirche – ist es bisweilen auch so. Das Glas ist leer. Die Gegenwart, sagen Menschen, biete keine Gründe zur Hoffnung. Wie soll man zu diesen Zeiten Zuversicht ernten, fragen sie. Also bleiben sie vor dem leeren Glas sitzen. Wie glücklich dürfen sich Menschen nennen, die nicht nur schätzen können, was die Gegenwart bietet. Sie vermögen auch von dem zu leben, was sich in der Vergangenheit an Hoffnung ernten ließ. Mehr noch: Sie sind sogar fähig, auf eine Zeit zu hoffen, da man Gläser neu füllen wird. Eigentlich müsste man Erntedankfeste im tiefsten Winter feiern – zur Zeit des Mangels. Der Mensch lebt nicht nur aus seiner Gegenwart – beim Essen nicht, beim Hoffen und beim Lieben auch nicht. Er ist eingebettet in eine lange Geschichte seines Lebens , die ihn schwere Tage bestehen lässt. Es sind die Vorräte des schon Erlebten, und dessen, was die Zukunft bringen wird. Manchmal geht es eben ans Eingemachte. Wie gut, wann man noch ein Glas im Keller hat.