Wie müssen sich die Benediktinerklöster weiterentwickeln, dass sie ihrem Ursprung treu bleiben und gleichzeitig in den Zeiten des Umbruchs tragfähige Wege in die Zukunft finden? – Das Zauberwort heißt „Elastische Tradition“.
Die Ausgangslage ist so gut wie in allen Klöstern Mitteleuropas ähnlich: Überalterung der Mönche und keine Reduktion der Aufgaben, Nachwuchsmangel und gleichzeitig ist ein zunehmendes gesellschaftliches Interesse am Ordensleben festzustellen. Um Markierungen für einen Neuaufbruch zu finden, stellen sich die Benediktinerklöster Europas einer soziologischen Analyse. Der in Paris lehrende Michael Hochschild besucht acht Stifte – in Österreich sind das Kremsmünster, Melk, Gut Aich und St. Lambrecht. Gemeinsam mit P. Bernhard Eckerstorfer (Kremsmünster) als Begleiter führt er dort Erhebungen und eine Reihe von Gesprächen durch: mit Mönchen, Mitarbeiter/innen der Stiftsbetriebe, Personen, die mit den Klöstern verbunden sind. „Was sind die Themen und Arbeitsfelder der Zukunft?“ – Die Antwort kann nicht die soziologische Analyse liefern, aber sie kann Hilfen geben, damit jedes Kloster seinen Weg findet. Hochschild ermutigt, dass die Gemeinschaften in der Tradition ihres Ordens und ihres Hauses bleiben, aber sich für Veränderungen öffnen. Er nennt das „Elastische Tradition“. Ohne die Fähigkeit, seine Organisationsformen elastisch weiterzuentwickeln hätte das benediktinische Mönchtum schon bislang keine überdauernden Antworten auf den Ruf Gottes geben können. Er erinnert an die großen Reformbewegungen, die dem Orden neuen Schub gegeben haben. P. Bernhard Eckerstorfer macht aber klar, dass es kein Zurück in eine scheinbar heile Vergangenheit gibt: „Ich merke oft, dass wir uns am Ideal vergangener Jahrzehnte orientieren, wenn wir uns über die Zukunft des Klosters unterhalten.“
Die Zeit drängt. Zur Zeit ist der Soziologe Hochschild mitten in den Erhebungen, unterwegs von Kloster zu Kloster. Die Ergebnisse werden beim weltweiten Äbtekongress im September 2012 in Rom präsentiert. Aber es zeichnen sich bereits jetzt einige Schwerpunkte ab. „Aus dem Umbruch droht ein Abbruch zu werden“, so Hochschild. Die nächsten Jahre sind entscheidend, um das zu verhindern. Denn gibt es einmal eine Null-Generation in Kirche und Orden, so wie er das von Paris aus eigenem Erleben kennt, dann wird es sehr schwierig: „Es wird Erschütterungen geben, aber noch ist in den Benediktinerklöstern ein Warmstart möglich“.
Von Passanten zum Sympathisanten. Eine Schlüsselfunktion werden die Sympathisanten der Klöster einnehmen. Hochschild stößt bei seinen Gesprächen auf viele „Unterstützungswillige“. Das Kloster muss Netzwerke von Sympathisanten aufbauen und sich um sie kümmern: angefangen von den Mitarbeiter/innen in den Stiftsbetrieben, den Lehrer/innen der Klosterschulen, den Mitbetenden beim Stundengebet, den Engagierten in den Stiftspfarren oder den Gästen. Es gilt aus Ungebundenen und Passanten Sympathisanten zu machen. Von diesen Menschen wird der Aufbruch in den Klöstern wesentlich mitgetragen, ist Hochschild überzeugt.