Zu einer Art „Auftakt“ für den Marienmonat Mai wurde das Jubiläum zur Grundstein-legung des Mariendomes. Maria brachte vor Jesus den Durst der Leute zur Sprache. Aufgabe des Christseins ist auch heute, auf den Lebensdurst der Menschen zu reagieren.
Das Böse in der Welt hat nicht das letzte Wort. Das ist für Bischof Ludwig Schwarz eine Grundaussage des 1854 von Papst Pius IX. verkündeten Mariendogmas. Der Linzer Dom hält als steinernes Gaubenszeugnis diese Botschaft auch heute wach. Für Dompfarrer Maximilian Strasser ist mit diesem imposanten Bauwerk die Herausforderung verbunden, „die Frage nach dem Bösen, der Verstrickung und der Befreiung daraus, immer wieder zu stellen, dieser Frage nicht auszuweichen und zugleich die Botschaft Jesu als einen Weg der Erlösung zu verstehen.“
Im Monat Mai stellen die Katholikinnen und Katholiken im ganzen Land diese Botschaft bei Maiandachten in das Zentrum. Maria brachte vor Jesus den Durst der Leute zur Sprache. „Sie haben keinen Wein mehr.“ Aufgabe des Christseins ist auch heute, auf den Lebensdurst der Menschen zu reagieren. Wo wirtschaftliche Rentabilität und Gewinn an erster Stelle stehen, wird die Menschlichkeit zu leicht mit Füßen getreten.
Solange in Linz nicht nur Industriebauten und Bürotürme das Stadtbild prägen, sondern mitten darin ein Dom aufragt, mag das ein Zeichen sein, dass Menschlichkeit zählt in diesem Land.
Typisch Sonntag am Dom
Diözese feierte 150-jähriges Grundstein-Jubiläum des Mariendomes
Am 1. Mai 1862 wurde ein Stein vom Ölberg in Jerusalem als Grundstein für den Linzer Dom gelegt. Stadt, Land und Kirche feierten das Jubiläum einen Sonntag lang.
„Kyrie eleison“. Fast atemberaubende Stille herrschte im Linzer Dom, als die ersten Klänge von Anton Bruckners E-Moll-Messe den Linzer Dom erfüllten. Domkapellmeister Josef Habringer gestaltete mit dem erweiterten Domchor und dem Bläserensemble dieses Meisterwerk zu einem eindrucksvollen Erlebnis. Der Anlass war entsprechend: Am Sonntag, 29. April, feierte die Diözese Linz das 150-jährige Jubiläum der Grundsteinlegung des Linzer Domes durch Bischof Franz Joseph Rudigier.
Aufbruchsstimmung. Diözesanbischof Lud- wig Schwarz erzählte noch einmal die Geschichte, wie Bischof Rudigier den Dombau ankündigte, bis nach einer siebenjährigen Vorbereitungszeit der Grundstein vor 150 Jahren gelegt werden konnte. „Freudige Aufbruchsstimmung herrschte damals in der Diözese“, betonte Schwarz. Mit der Weihe an Maria sei der Dom auch heute eine Botschaft dafür, dass in der Welt nicht das Böse, sondern das Gute die Oberhand behalten werde. Der Bischof stellte seine Festpredigt – dem Evangelium entsprechend – unter das Thema des „Guten Hirten“. „Wir laufen nicht verirrt durch die Welt, wir haben eine Richtung und ein Ziel. Wir sind keine verlorenen Schafe.“
Fest am Platz. Bis in den Nachmittag hinein herrschte nach der Festmesse am Domplatz Volksfeststimmung. Das herrliche Wetter lockte viele zum Verweilen an den Tischen. Konditormeister Leo Jindrak „spendierte“ eine 150 Kilo schwere Jubiläumstorte, die für wohltätige Zwecke verkauft wurde.
Ein Stück Oberösterreich. Dass der Linzer Dom auch ein guter Grundstein für das Leben im Land und in der Stadt sein kann, unterstrichen Landeshauptmann Josef Pühringer und Bürgermeister Franz Dobusch. Sie verwiesen auf den Mut des damaligen Bischofs, das größte Kirchenbauprojekt Europas in Angriff zu nehmen. Der Dom gehört zur Identität Oberösterreichs, meinte Pühringer, der neue Domplatz symbolisiere eine einladene und offene Kirche. „In anderen Städten versucht man, Kirchen vor Touristen und damit verbundener Unruhe eher zu schützen, in Linz freut man sich, wenn die Leute in den Dom kommen“, charakterisierte Tourismusdirektor Georg Steiner diese Offenheit näherhin.
Die Ausstellung „Grundstein. 150 Jahre Mariendom“ gibt Einblicke in die mit Fotografien dokumentierte Baugeschichte. Im vorderen Teil des Domes. http://www.mariendom.at