Es kam einer Wallfahrt nahe, so groß war am 3. Mai der Zustrom zur 27. Begegnung in der Synagoge. Alljährlich laden zu solcher Begegnung die Israelitische Kultusgemeinde Linz und das Forum St. Severin ein. Ziel der Wallfahrt heuer war eine christlich-jüdische Betrachtung zur „Wallfahrt“. Wie richtig oder falsch hier der Begriff „Wallfahrt“ gewählt ist, mag man an den Ausführungen der Referenten – Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg und der Linzer Hochschulseelsorger Dr. Markus Schlagnitweit – beurteilen. Schlagnitweit stellte „Wallfahren“ und „Pilgern“ gegenüber. Wallfahren sei allen Religionen bekannt. Es bedeutete zunächst für Christen, sich religiös motiviert auf den Weg zu machen, um sich der Geschichte Jesu zu nähern (Hl. Land) oder zu Wirk- und Grabstätten von Heiligen, zu postmortalen Wirkstätten zu gehen und schließlich zu Plätzen, an denen Reliquien aufbewahrt werden. Beim Pilgern stehe dagegen nicht der Ort im Vordergrund, sondern die Bewegung selbst. Der Christ ist in dieser Welt unterwegs, aber nirgends ganz zu Hause. In der jüdischen Tradition, so Chaim Eisenberg, war der Weg nach Jerusalem eine Wallfahrt: gehen, um eine Gottes-Erfahrung zu machen. Berühmte Rabbiner pflegten herumzuwandern und man pilgerte zu solch berühmten Rabbinern, um spirituell aufzutanken. – So war die Veranstaltung eher eine Wallfahrt aus jüdischer Tradition: Auftanken bei Menschen, die etwas zu sagen haben.