„Im Prinzip ist es eine christliche Haltung“, kommentiert der Obmann des Pfarrgemeinderates von St. Peter am Hart, Franz Reithofer, das Engagement der Pfarre für obdachlose Menschen. Ja schon, eine christliche Haltung, aber doch nicht alltäglich!
Ausgabe: 2012/21, Solidaritätspreis, St. Peter am Hart, pilgern, Herberge, Pfarrgemeinderat, Reithofer
Pilger und Menschen vom Rand. Die Pfarre beherbergt im 2007 errichteten Pfarrheim, das auch mit einem einfachen Pilgerquartier für insgesamt zehn Personen ausgestattet wurde, Menschen vom Rand der Gesellschaft. Bisher wurde die Pfarre für sechs obdachlose oder sonst in Not geratene Menschen Herberge. Einige von ihnen blieben drei Monate und länger. Am 15. Mai wurde die Pfarre und der Pfarrgemeinderat für diese Haltung mit dem Solidaritätspreis ausgezeichnet. Ausgezeichnet für eine christliche Haltung, die in der Weltgerichtsrede (Mt 25,35) als Himmels-Verdienst beschrieben wird.
Eine Weihnachts-Geschichte. Am späten Abend des 23. Dezember 2011 erfuhr das Ehepaar Reithofer von einem obdachlosen Mann, der mit seiner schweren Krebserkrankung in Simbach im Zelt sein Daheim hatte. Am 24. Dezember machten sie sich auf die Suche und fanden den Mann, Ryszard R. Er folgte ihrer Einladung, ins Pfarrheim St. Peter zu übersiedeln. Sie packten seine Utensilien samt Fahrrad zusammen und übersiedelten ihn in einen der vier Pilger-Räume im Keller des Pfarrheims. Pfarrer KonsR Severin Lakomy, wie Ryszard aus Polen stammend, fand rasch einen guten Draht zum neuen Gast und lud ihn ein, den Heiligen Abend mit ihm zu verbringen.
Pfarre springt ein. In diesem Glück, ein sicheres Dach überm Kopf zu haben, sich waschen zu können und von Menschen nicht verstoßen zu sein, blieb der Weihnachts-Gast drei Monate in der Pfarre. Wie bisher sechs Menschen hat er in der Not einen Platz gefunden. Die Pfarre St. Peter springt mit ihrem Quartier im Bezirk Braunau ein, in dem es keine Einrichtungen wie eine Notschlafstelle oder ein Frauenhaus gibt. Dass solche Hinwendung zu Menschen am Rand der Gesellschaft auch Gegenstimmen hervorruft, ist verständlich. Doch die Pfarre hat sich das gut überlegt und in vielen Gesprächen auch vorbereitet. Zudem, darauf weist Reinhilde Pell hin, gibt es viele schöne Erfahrungen mit jenen Menschen, denen die Pfarre einen Platz gibt. Frau Pell gehört zum Team, das die Menschen im Notquartier betreut. Die positiven Erlebnisse überwiegen bei Weitem, betont sie wie auch Herr Reithofer.
Sozialarbeit. Die Pfarre St. Peter am Hart ist mit ihrem Notquartier in die Randgruppen-Betreuung hineingezogen worden. In erster Linie sind die zehn Betten als Pilgerquartier (der Pilgerweg Via Nova führt in der Nähe vorbei) und auch als Übernachtungsmöglichkeit für rastende Radtouristen gedacht. Nun sind oft Menschen da, die von der Lebens-Pilgerschaft abgekommen sind. Menschen, die Betreuung und Zeit brauchen. Pfarrmitglieder begleiten sie zum Beispiel bei Behördenwegen, ermutigen sie, neue Anläufe zu nehmen, sich um eine Arbeit zu bemühen. Wer mit obdachlosen Menschen zu tun hat, weiß, wie mühsam das sein kann. Ihre Obdachlosigkeit hat ihre Initiativkraft gelähmt und in Lethargie verwandelt. In diesem Sozialengagement stößt die Ehrenamtlichkeit auch an Grenzen. Dafür bräuchte es eine Sozialarbeiterin oder einen Sozialarbeiter. Aber was die Pfarre tun kann und was sie gut tut: Den Menschen, die immer wieder zu spüren bekamen, nichts wert zu sein, spüren zu lassen, viel wert zu sein. Sie sind es wert, dass sich eine Pfarre um sie kümmert!