Mitsprache macht das Leben in einer Gemeinde attraktiv. – Kein Wunder also, dass die Bevölkerungszahl von Vorderstoder wächst:
Die Gemeinde soll wieder mit dem Sinn erfüllt werden, den sie früher hatte: ein Gemeinschaftsprojekt zu sein, zu dem alle einen Beitrag leisten und nicht nur erwarten, dass die Gemeinde für sie etwas tut!
Diese Entwicklung wünscht sich Bürgermeister Gerhard Lindbichler für die knapp 800 Einwohner/innen zählende Gemeinde Vorderstoder. Ein wichtiger Baustein dazu ist, dass die Gemeinde seit 2007 durch den Beitritt zur Agenda 21 den Willen zur Nachhaltigkeit besiegelt hat.
Gesteigerte Zufriedenheit. Immer mehr Einwohner/innen von Vorderstoder beteiligen sich an Gemeinde-Aufgaben. Die einen kümmern sich um ein Stück Wanderweg, andere betreuen ein Wartehäuschen oder mähen auf öffentlichem Grund den Rasen. Eine Gruppe erweiterte den Gipfelweg auf den Tamberg und stellte dort ein neues Holzkreuz auf. Alles geschieht ehrenamtlich.
Bürgerhaushalt. Ein besonderes Projekt ist der „Bürgerhaushalt“: Im April 2012 lud die Gemeinde zur ersten Zusammenkunft ein. Die Bevölkerung wird in die Entscheidung eingebunden werden, was mit den frei verfügbaren Mitteln geschehen soll. Noch geht es nicht um riesige Summen – 20.000 Euro bei einem Budget von etwa 1,7 Millionen Euro. – Der finanzielle Bewegungs-Spielraum ist noch klein, er wird aber mit den Jahren größer. Dem Bürgermeister schwebt zudem eine geänderte Mittel-Zuteilung vor: Eine Gemeinde, deren Abgang das Land Oberösterreich deckt und die nachweislich durch die Bürgerbeteiligung einspart, sollte einen Teil des Ersparten für andere Projekte verwenden können. Derzeit ist die Logik eine andere: Was eingespart wird, bleibt dem Land.
Mehr Demokratie. Der Geschäftsführer der Schlierbacher Zukunftsakademie SPES, Mag. Johannes Brandl, stellte bei der Versammlung im April des heurigen Jahres den „Bürgerhaushalt“ vor, der den Betroffenen in der Budgetplanung Mitsprache einräumt. Bürgerhaushalt bedeutet also: mehr Mitsprache, mehr Demokratie. Eine Voraussetzung dafür sind verstärkte Information und eine verständliche Aufbereitung der Budgetzahlen. Natürlich geht das nicht ohne Mühen. Auch kann es zu Konflikten kommen, wenn die zur Mitsprache eingeladenen Bürger/innen für zur Wahl stehende Aufgaben unterschiedliche Finanzierungs-Dringlichkeiten erkennen. Der Bürgermeister von Vorderstoder aber ist zuversichtlich: „Man kann den Leuten durchaus zumuten, dass sie demokratische Entscheidungen treffen.“ Das heißt auch, dass sie auf Minderheiten und ihre Bedürfnisse Rücksicht nehmen.
Schule als Generationen-Projekt. In Vorderstoder hat der Agenda-Prozess schon viel in Bewegung gebracht. Etwa, dass nun ein Verein das geschlossene Nahversorgungsgeschäft wieder aufsperrte und es weiterführt. Oder dass mit der „Zeitbank 55+“ die Nachbarschaftshilfe ausgebaut wird. Eine besondere Rolle spielt auch die Schule als „Generationenwerkstatt“. Im vorigen Schuljahr wurde die Volksschule einklassig geführt, heuer dürfte es wieder so viele Schulkinder geben, dass zwei Klassen möglich sind. Schule und Kindergarten sind für die Zukunft eines Ortes ganz wichtig. In Vorderstoder kooperieren sie. Die Schulkinder kommen einmal in der Woche in den Kindergarten und lesen dort vor. Die Schulanfänger vom Kindergarten statten ihrerseits der Volksschule einen Besuch ab. Schule und Kindergarten haben einen gemeinsamen Elternverein. Und Erwachsene, die eine besondere Lebenserfahrung haben, etwas gut können, stehen für Unterrichts-Projekte zur Verfügung.
Agenda 21. Damit wird ein entwicklungs- und umweltpolitisches Aktionsprogramm für das 21. Jahrhundert bezeichnet. Es ist ein Leitprogramm, das 172 Staaten auf der UNO-Konferenz in Rio de Janeiro (1992) beschlossen haben. Auf Gemeindeebene wird der Bürger/innen-Dialog als wichtige Voraussetzung für eine nachhaltige Entwicklung erachtet.