Eine Zeitenwende hat das Zweite Vatikanische Konzil in der Beziehung von Judentum und Christentum gebracht, stellte der Aachener Univ.Prof. Hans H. Henrix beim „Dialog Stift Schlägl“ am 24. September fest. Dort diskutierte er mit Judaistikprofessor Klaus S. Davidovic.
Auf überaus großes Interesse stieß der „Dialog Judentum – Christentum“, zu dem Abt Martin Felhofer in das Stift geladen hatte. Besonders das Wirken Papst Johannes Pauls II. hätte die im Konzil begonnene neue Beziehung noch verstärkt. Antisemitismus wird unmissverständlich als Sünde gegen Gott und die Menschheit gewertet. Die großen Gesten des Papstes – sein Besuch in der römischen Synagoge 1986 und der Besuch Israels 2000 – hätten das neue Verhältnis gefestigt. Die Beziehung zwischen den beiden Religionen hätte sich zu einem zwar störanfälligen, inzwischen aber auch krisenfesten Miteinander entwickelt, so Henrix. Für Davidovic ist der Dialog aber noch lange nicht „unten“ angekommen. Jüdischerseits gebe es auch nicht den einen Gesprächspartner, sondern viele unterschiedliche Strömungen. Anders als in den USA, wo die Juden selbstbewusster auftreten könnten, gebe es in Europa immer noch Angst vor Missionierung durch die Kirchen. Für Henrix gilt es auch in schwierigen Fragen, etwa der Biomedizin, das Gespräch zu suchen. Hier liegen sehr unterschiedliche ethische Grundpositionen vor.