Als wären die besten Zeiten längst Vergangenheit – bemängeln viele, wenn sie von der Kirche reden. Doch auch heute lassen sich Menschen auf die Kirche ein. Drei Beispiele aus Begegnungen der letzten Woche.
Ausgabe: 2012/41, kfb, Diözesantag, Hinterleitner, Kirchweger, Projekt für Langzeitarbeitslose, Hierschläger, Vatikanische Konzil
Die Katholische Frauenbewegung hält ihren diesjährigen Diözesantag ab. Eine junge Frau – Stefanie Hinterleitner – steht am Pult und erzählt, wie sie dazu gekommen ist, Theologie zu studieren – und wie sie sich vor ihren Freunden und Freundinnen dafür schon oft rechtfertigen musste. Mit der Kirche war sie von der Familie her immer schon verbunden. Da gab es zwar vieles, was sie ärgerte. Missbrauch. Umstrittene Bischofsernennungen. „Doch das führte nur dazu, dass ich mich noch mehr an die Kirche band.“ Sogar ihren Beruf sieht die junge Theologiestudentin in der Kirche – trotz allem. Eigentlich möchte sie Priesterin werden, aber das dürfte sich wohl nicht ausgehen, meint sie humorvoll. Sie traf eine Entscheidung: „Ich möchte nicht im Modus des Jammerns bleiben, sondern versuchen, die schönen Dinge – auch in der Kirche – zu sehen.“ „Ich bin stolz, mich als Christin zeigen zu dürfen“, erzählt sie. Sie tut das auch jetzt – als ehrenamtliche Vorsitzende der Katholischen Jugend in Oberösterreich.
Auf Frauen hören
Der Diözesantag der Katholischen Frauenbewegung am 6. Oktober zeigte viel auf, was die Kirche zukunftsfähig macht. Es darf nicht passieren – so Vorsitzende Erika Kirchweger –, dass die Kirche den Zugang zu den modernen Frauen verspielt. Frauen wollen sich nicht in Kuschelecken der Kirche zurückdrängen lassen. Gerade Frauen stehen für die Kirche ein. Die ehemalige Vorsitzende der kfb, Margit Hauft, brachte es auf den Punkt: „Kirche, du bist es gewohnt, auf uns zu zählen. Gewöhne dich daran, dass du auch mit uns rechnen musst.“ Landeshauptmann Josef Pühringer brachte seine Empfehlung an die Bischöfe in einem Zitat des römischen Dichters Horaz zum Ausdruck: „Hört auf der klugen Frauen Urteil; denn ihnen schenkten die Götter die Gabe, mancherlei zu schauen, was unserem Auge entgeht.“
Sonntag, 30. September, Mariendom
Unter den 13 Männern und Frauen, die an diesem Tag von Bischof Ludwig Schwarz ihre Sendung für den hauptamtlichen Dienst in der Kirche erhalten, ist Anita Aigner aus Maria Neustift. Wie Stefanie Hinterleitner ist auch sie in einer Familie aufgewachsen, in der die Pfarre einfach zum Lebensalltag dazugehörte. Die Eltern waren engagiert, und Anita war von der Jungschar an auch immer dabei. Auch dass sie von Klein auf das Geschehen in einem Marienwallfahrtsort miterlebt hat, hat sie geprägt. Beruflich arbeitete Aigner als Floristin in einem Projekt für Langzeitarbeitslose – ehe sie sich entschied, über Fernkurse sich für ihr kirchliches Engagement noch tiefer zu qualifizieren. Ein Aushilfspriester aus Nigeria hat den Anstoß gegeben, als er erzählte, wie bei ihm zu Hause die Kirche auf engagierten Frauen und Männern gebaut ist. Was könnte das in Oberösterreich bedeuten? So entschied sich Anita Aigner zu einem Berufswechsel, machte die Ausbildung am Seminar für kirchliche Berufe und ist nun Pastoralassistentin in Garsten. Der Konzilsgeist – erzählt sie – „hat für mich eine gewaltige Kraft“. Vor allem dem Wort Gottes möchte sie in ihrem Beruf Gehör und Gewicht verschaffen. Das will sie bewusst als Laie tun, das Priesteramt würde sie nicht anstreben, auch wenn es möglich wäre. Ein starkes Vorbild ist für sie die hl. Teresa von Avila – mit ihrer spirituellen Tiefe, mit ihrer Weltoffenheit. Für die rund 20 Jungscharleiter/innen will sie nun in Garsten da sein, für die Ausländerinnen ebenso, die unter nach außen kaum sichtbaren Umständen ihren Alltag meistern müssen.
Mittwoch, 3. Oktober, im Pastoralamt
Thomas Schwarzbauer und sein Kollege Oliver Hierschläger bereiten etliche hundert Taschen für die diesjährigen Teilnehmer/innen am großen Jugendprojekt „72 Stunden ohne Kompromiss“ vor. Die beiden haben gerade die Matura hinter sich und leisten ihren Zivildienst bei der Katholischen Jugend. Thomas hat in Religion maturiert – und da ging es auch um das Zweite Vatikanische Konzil. So weiß er gut Bescheid. Diesen Donnerstag, 11. Oktober wird er am Abend dabei sein, wenn die Katholische Jugend nach dem Gottesdienst zum Konzilsjubiläum das Fest am Domplatz ausrichtet – nicht nur, weil es zu seinem Arbeitsauftrag als Zivildiener gehört. Dass das Konzil einen wichtigen Schritt für die Kirche damals bedeutet hat, ist ihm bewusst, heraus aus den eingefahrenen Gleisen der Vergangenheit. Und dass die Kirche heute leider wieder „leicht hinterherhinkt“, darüber sollte man schon reden, meint er. Persönlich ist ihm Kirche wichtig. In seiner Pfarre St. Konrad erlebte und erlebt er sie in einer lebendigen Kinder- und Jugendarbeit. „Ich weiß nicht, wie es in anderen Pfarren ist, aber bei uns nimmt man die Jugendlichen ernst“, weiß er zu schätzen.
Diözese Linz feiert das Zweite Vatikanische Konzil
Am Donnerstag, 11. Oktober, 18.15 Uhr, leitet Bischof Ludwig Schwarz den Festgottesdienst im Linzer Mariendomanlässlich der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils am 11. Oktober 1963. Im Anschluss an den Gottesdienst findet ein von der Katholischen Jugend gestaltetes Fest vor dem Dom statt.