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Artenschutz: Gott liebt, was er erschaffen hat

Der Erhalt der Artenvielfalt ist ein göttlicher Auftrag an uns Menschen. Er erfordert viel Einsatz. In Oberösterreich ist der Luchs nicht die einzige Art, die vom Aussterben bedroht ist.
Ausgabe: 2012/42, UNO-Artenschutz-Konferenz, Artenvielfalt, Nationalpark Kalkalpen, Neumayer, Artenschutz,
16.10.2012
- Gerald Hötzeneder
© FotoLS - Fotolia
Wer heute im Nationalpark Kalkalpen das Glück haben sollte, einem Luchs zu begegnen, wird diesen Tag nie vergessen, denn in ganz Oberösterreich ist die Population mittlerweile auf wenige einzelne Tiere gesunken. Und wer im Mühlviertel versehentlich auf einen Böhmischen Enzian tritt, könnte zum Aussterben dieser Art beitragen.
Für den Salzburger Biologen und Theologen Dr. Johann Neumayer ist die Natur ein Schatz vor der Haustür. Man müsse nur die Tür öffnen und könne sich an der Natur bereichern. Er vergleicht die Natur mit einem Buch: „Für jemanden, der nicht lesen kann, ist es bloß ein gebundener Stapel Papier. Und wer sich in der Natur auskennt, für den ist das Leben reicher.“
Neumayer sieht in der ­Bibel und in kirchlichen Stellungnahmen genügend Hinweise dahingehend, dass der Mensch verantwortungsvoll mit der Umwelt umgehen soll. Die zweite Schöpfungserzählung etwa gebe eine genaue Aufstellung vieler damals bekannter Arten, zum Beispiel des Steinbocks oder des Klippdachses. Ein weiterer Ansatzpunkt sei eine Stelle im Buch der Weisheit, die besagt, dass Gott alles liebt, was er erschaffen hat. Zwar gab es in der Antike bereits Abholzung in großem Ausmaß, aber ein Artensterben noch nicht.
Dr. Edeltraud Koller von der Katholisch-Theologischen Privatuniversität Linz sieht in der Artenvielfalt einen Hinweis auf die Kreativität Gottes. Sie spiegle sich in den vielen unterschiedlichen Arten wider. Die Verschiedenheit vieler Tiere und Pflanzen könne beim Menschen Staunen auslösen. Koller bemerkt, dass Papst Benedikt bereits öfters in seinen Friedensbotschaften auf die Verantwortung der Menschheit gegenüber der Schöpfung hingewiesen hat. Innerhalb der Schöpfung, so Koller, dürfe der Mensch gestalten, sei aber auch verantwortlich für sein Tun.

Artenschutz wichtiger als Tierschutz


Ein Hinweis auf die Bedeutung der Artenvielfalt ist – so Koller – im Buch Genesis 6,14 zu finden. Noah wird von Gott nicht beauftragt, durch den Bau der Arche möglichst viele Individuen vor der Sintflut zu retten, sondern nur eine überlebensfähige Population, im konkreten Fall von jeder Art ein Paar. Daher steht das Prinzip der Rettung einer Art über dem der Rettung Einzelner. In die heutige Zeit übertragen käme damit dem Artenschutz eine höhere Bedeutung als dem Tierschutz zu. Denn der Tierschutz zielt ja auf das einzelne Lebewesen und dessen Unversehrtheit ab.
Die Welt­naturschutzunion UIC veröffentlicht jährlich die Roten Listen gefährdeter Tier- und Pflanzenarten. Auch Tiere und Pflanzen aus Oberösterreich sind betroffen.

Bedroht in Oberösterreich


Dr. Gerhard Aubrecht vom Biologiezentrum des Landes in Urfahr nennt neben dem Luchs den Laubfrosch und bei den Vögeln den Wachtelkönig als bedrohte Arten in Oberösterreich. Auch das bei uns beheimatete Braunkehlchen sei in seiner Existenz gefährdet. Alpine Schmetterlinge sind ebenfalls immer mehr auf dem Rückzug. Bei den Pflanzen bestehe Gefahr für verschiedene Gladiolen- und Orchideenarten.
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