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Sonntag: Hände, die halten

Vor dem Beginn der Karwoche hören wir vom Einzug Jesu in Jerusalem. Gegen Ende derselben Woche wird die Stimmung der Menschen umschlagen - bis hin zu tödlichem Hass. Der Sohn Gottes hält dabei nicht an seinem Gott-Sein fest, sondern begibt sich ganz hinein ins menschliche Leben und Leiden. Er gibt sich selbst in die Hand der Menschen - und in die Hände des Vaters.
Ausgabe: 14/2017
04.04.2017

Wort zum Sonntag

Loslassen


Jedes Baby kann es perfekt: nach etwas greifen und festhalten! Das gehört zu den ersten, lebensnotwendigen Verhaltensweisen, die es lernt, um das Überleben zu sichern.
Im Gegensatz dazu ist uns das Loslassen nicht in die Wiege gelegt. Wir müssen es ein Leben lang lernen und einüben, oft unter Schmerzen. Und doch bleibt keinem von uns diese Lektion erspart, denn spätestens im Tod wird ein jeder alles lassen müssen, was er besitzt. Nichts kann er mitnehmen auf die letzte Reise, nur das, was er ist.
In der Sonntagslesung aus dem Christushymnus des Philipperbriefes findet sich ein Wort, das in unserer Alltagssprache nicht vorkommt: „Er entäußerte sich.“ Was ist damit gemeint? Ich glaube, es geht hier genau um dieses Loslassen. Diese Beobachtung wird noch dadurch verstärkt, dass es im Satz vorher bei wörtlicher Übersetzung heißt: „Christus Jesus war Gott gleich, klammerte sich aber an seine Gottgleichheit nicht wie an einen Raub.“ ­Stellen Sie sich einmal vor, jemand hat mit großem Einsatz etwas an sich gerissen. Kein Wunder, wenn er es dann unter keinen Umständen ­wieder hergeben will! Jesus aber verzichtet auf seine göttliche Unsterblichkeit und geht freiwillig in den Tod. Und in was für einen Tod trotz aller spöttischen Aufforderungen: „Wenn du der Sohn Gottes bist, steig herab vom Kreuz, dann werden wir an dich glauben!“
Warum in aller Welt tut er das?
Das ist eine der Botschaften des heutigen Palmsonntags: Jesus will uns Menschen ­gerade in schmerzlichen Situationen ganz nahe sein und mit uns leiden. Er bezeugt, dass wir uns dann vertrauensvoll in Gottes Hände ­fallen lassen dürfen. Dieser fängt uns auf und schenkt uns einen neuen Anfang – und oft auch eine neue Freiheit, das Leben zu wagen!

Zum Weiterdenken

Wie gehe ich mit Situationen des Loslassens um? Welche Neuanfänge sind mir in meinem Leben schon geschenkt worden?


Palmsonntag – Lesejahr A, 9. April 2017


Evangelium (Vor dem Einzug)

Matthäus 21,1–11 Als sich Jesus mit seinen Begleitern Jerusalem näherte und nach Betfage am Ölberg kam, schickte er zwei Jünger voraus und sagte zu ihnen: Geht in das Dorf, das vor euch liegt; dort werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Fohlen bei ihr. Bindet sie los und bringt sie zu mir! Und wenn euch jemand zur Rede stellt, dann sagt: Der Herr braucht sie, er lässt sie aber bald zurückbringen. Das ist geschehen, damit sich erfüllte, was durch den Propheten gesagt worden ist: Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir. Er ist friedfertig, und er reitet auf einer Eselin und auf einem Fohlen, dem Jungen eines Lasttiers. Die Jünger gingen und taten, was Jesus ihnen aufgetragen hatte. Sie brachten die Eselin und das Fohlen, legten ihre Kleider auf sie, und er setzte sich darauf. Viele Menschen breiteten ihre Kleider auf der Straße aus, andere schnitten Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg. Die Leute aber, die vor ihm hergingen und die ihm folgten, riefen: Hosanna, dem Sohn Davids! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe! Als er in Jerusalem einzog, geriet die ganze Stadt in Aufregung, und man fragte sich: Wer ist das? Die Leute sagten: Das ist der Prophet Jesus von Nazareth aus Galiläa.

1. Lesung

Jesaja 50,4–7 Gott, der Herr, gab mir die Zunge eines Jüngers, damit ich verstehe, die Müden zu stärken durch ein aufmunterndes Wort. Jeden Morgen weckt er mein Ohr, damit ich auf ihn höre wie ein Jünger. Gott, der Herr, hat mir das Ohr geöffnet. Ich aber wehrte mich nicht und wich nicht zurück. Ich hielt meinen Rücken denen hin, die mich schlugen, und denen, die mir den Bart ausrissen, die Wangen. Mein Gesicht verbarg ich nicht vor Schmähungen und Speichel. Doch Gott, der Herr, wird mir helfen; darum werde ich nicht in Schande enden. Deshalb mache ich mein Gesicht hart wie ein Kiesel; ich weiß, dass ich nicht in Schande gerate.

2. Lesung

Philipper 2,6–11 Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz. Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen, damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu und jeder Mund bekennt: „Jesus Christus ist der Herr“ – zur Ehre Gottes, des Vaters.

Evangelium (Im Gottesdienst)

Matthäus 26,14–27,66
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