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Fleisch-Fasten aus theologischer Sicht

Eine Katholikin, einen Katholiken erkannte man bis vor 50 Jahren daran, dass er am Sonntag in die Kirche ging und am Freitag kein Fleisch aß.
Ausgabe: 14/2017
04.04.2017
Fixe Regeln geben Halt und schaffen Identität. Manchmal werden sie aber innerlich hohl, wenn das äußere Tun mit der inneren Einstellung nicht mehr zusammenstimmt. So hat sich die Kirche im und nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil vorgenommen, vielen Regeln und Bräuchen auf den Grund zu gehen und sie in einer heutigen Form neu grundzulegen. In Bezug auf das Freitagsfasten hat die Kirche gesagt, dass nicht allein und zuerst der Fleischverzicht gefordert ist, sondern ein angemessenes Werk der Barmherzigkeit.
Fasten ist ein allgemein religiöses Phänomen und hat verschiedene Motive. Ursprünglich waren es meist kultische und asketische Aspekte, die im Vordergrund standen und eine innere Reinigung und eine neue Ausrichtung auf Gott bewirken sollten.
Die frühe Kirche übernahm aus der Praxis des Judentums zwei Fasttage pro Woche und gab ihnen einen neuen Inhalt. Es wurde am Mittwoch gefastet in Erinnerung an die Gefangennahme Jesu und am Freitag in Erinnerung an den Tod Jesu. Somit war der Gedanke der Solidarität, des Mitfühlens und Mitleidens immer in der christlichen Fastenpraxis da.
Die Kirche und unsere Gesellschaft kennen den sozialen und politischen Aspekt des Fastens bis hin zum gewaltlosen Widerstand. Fleisch-Fasten kann für uns als Kirche eine sehr aktuelle solidarische Form der Nächstenliebe sein. Wenn wir es als Getaufte neu lernen, in Solidarität mit den Armen unseren Fleischkonsum einzuschränken, dann lösen wir die Fesseln des Unrechts, dann teilen wir Grund und Boden und die Ressourcen dieser Erde, die allen geschenkt sind und nicht nur einer Minderheit in den Indust­rieländern des Westens. Fleisch-Fasten ist nicht ein Brauch von vorgestern, sondern ein Zukunftsmodell für eine gerechtere Welt. Fleischfasten richtet unsere Aufmerksamkeit auf die leidenden und entrechteten Brüder und Schwestern in vielen Teilen der Welt. Sie sind es, die uns einen neuen Zugang zu Jesus Christus eröffnen können und zu seinem Lebensprogramm vom Reich Gottes. Gerecht leben – Fleisch-Fasten ist eine Möglichkeit, wie wir die Freude des Evangeliums neu finden können. 

Wolfgang Schwarz (http://fleischfasten.graz-seckau.at)
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