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Nichts tun – die Zeit gut nutzen!

„Ich habe keine Zeit!“ – Dieser Satz ist in unserer hektischen Zeit oft zu hören. Der Mensch läuft der Zeit nach, und mit der Zeit verliert er sich. Die KirchenZeitung fragte Expertinnen aus dem psychosozialen Bereich, welche Folgen solche Zeit-Not hat.
Ausgabe: 2012/45, Zeit, Müßiggang, Faulenzen, Peters, Rosenmayr, Burnout, Kinder, Urlaub
07.11.2012
- Ernst Gansinger
Das Verhängnisvolle ist die Kombination aus Zeit und Aktivität, sagt die Geschäftsführerin von EXIT-sozial, Elisabeth Rosenmayr. Es muss, so meinen viele, viel in kurzer Zeit getan werden. Aber der Mensch schafft nicht
alles, was er glaubt, schaffen zu müssen.

Schnurstracks ins Burnout. Ähnlich fällt die Diagose von Prim. Dr. Margot Peters aus, die den Sonnenpark, das Zentrum für psychosoziale Gesundheit, leitet, das pro mente OÖ in Bad Hall betreibt: „Wir glauben, alles machen zu müssen, und haben verlernt, Prioritäten zu setzen. Wir glauben, nicht mithalten zu können, wenn man dieses und jenes Event auslässt. Diese Grundlagen führen schnurstracks ins Burnout.“

Eingeteilte Kinder.
Diesen Rucksack legen viele Eltern schon den Kindern an, warnt Dr. Peters. Die Kinder-Woche ist auch nach der Schule genau eingeteilt: Montag Klavier, Dienstag Fußball, Mittwoch dort, Donnerstag da ... Der „moderne“ Mensch verlernt, mit sich selber etwas zu tun. Und er verlernt, das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen.

Der Karotte nachjagen. „Viel Input, wenig Output“ sieht Elisabeth Rosenmayr ein Symptom der gestressten Zeit, das eng verbunden mit dem Burnout ist. Selbstverwirklichung als Karotte, der man hinterherhetzt (ein Sprachbild von Dr. Peters), führt zum erschöpften Selbst. Es sei ein folgenschwerer Umgang mit sich und der Zeit, alles aus sich herausholen zu wollen, alle Talente ins Spiel zu bringen, weil man sonst etwas schuldig bliebe. Dem hält Rosenmayr entgegen, dass nur das passende Ausmaß an Tätigkeit zufrieden mache.

„Ich tu nix!“ Dr. Peters geht auf den Freizeit-Stress ein. Es gibt Menschen, die sind irritiert, wenn sie am Wochenende „noch nichts vorhaben“, wenn sie – danach gefragt – sagen müssen: „Ich tu nix.“ Dabei wäre die „Nix-tu-Zeit“ die wertvollste Zeit. Natürlich gibt es auch Zeitdruck von außen. Aber auch hier rät Margot Peters zu hinterfragen: Welchen Termin muss ich wirklich wahrnehmen?

Geduld.
Bei allem dabei sein zu müssen, sei oft Flucht vor sich selber. Davor, seinen Standort bestimmen zu müssen. Peters rät, den Umgang mit der Zeit zu üben: auszuwählen, was wichtig ist, was vielleicht ganz nett, aber nicht notwendig ist und was wirklich egal ist, wenn man nicht dabei ist. Mehr als die Hälfte der zur Reha kommenden Patient/innen sind Ausgebrannte. Wie wichtig wäre für sie und in der Vorbeugung die Tugend der Geduld!

Unkonzentriert. Es ist für viele anstrengend, sich immer neu einzurichten, dem Druck der Zeit zu folgen. Auch die Unkonzentriertheit, die zunehmend bei Kindern beklagt werde, habe mit dem Übermaß an Möglichkeiten zu tun, die genutzt werden wollen, meint die EXIT-sozial-Geschäftsführerin Elisabeth Rosenmayr. Das reißt die Kinder hin und her.

Achtsamkeit. „Es braucht Achtsamkeit“, fasst Elisabeth Rosenmayr zusammen. „Ich kann ein Gespräch achtsam führen, das ist gefühlte Zeit.“ Merkwürdig findet sie Durchsagen im Verkehrsfunk, wie: „Im Stau verlieren Sie eine halbe Stunde Zeit.“ Wie verliert man Zeit, frägt sie. Ich könnte ja solche Zeit auch mit mir nutzen. Wer sagt: „ich habe Zeit!“, schafft einen Raum, den er gestalten kann. „Für die psychische Gesundheit ist wichtig, achtsam zu sein! Der achtsame Umgang mit sich und anderen würde Druck nehmen, die Leute würden weniger aneinander herumziehen, und das täte vielen sehr gut.“

Dann – im Urlaub.
„Haben Sie heute was gegessen?“, fragt Dr. Peters gerne ihre Patienten. Die Antwort ist meist: Ja. Und gestern? – Ja! Und werden Sie morgen essen? – Ja! – Für den Körper sorgen die Menschen. Für die Seele weniger, diagnostiziert die Primaria. Viele meinen, sie könnten jetzt viel arbeiten, für Erholung sei dann am Wochenende oder im Urlaub oder in der Pension Zeit. Der Körper kriegt was zu essen, die Seele muss warten. Aber, so mahnt die Medizinerin: Wenn ich auf mein Energie-Konto immer weniger einzahle als ich abbuche, wachsen die Schulden. Wer einmal einen Kredit abstottern musste, wisse, was Schulden machen heißt!

- Die letzte Veranstaltung im Rahmen „Erste Hilfe für die Seele – bei Depression, Burnout und anderer psychischer Not“ findet am Dienstag, 13. November, um 19.30 Uhr im Pfarrheim Gründburg, Obergründburg, statt. Experten von pro mente, TelefonSeelsorge und BEZIEHUNGLEBEN geben Impulse und stellen sich der Diskussion. Der Eintritt ist frei!
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