Die Hühner sind hier die Stars. Martin und Tanja Traglers Bio-Biohühnerherde in Schlierbach strotzt vor Gesundheit. Gekeimtes Futter gibt ihnen Kraft!
Ausgabe: 2012/47, Ei, keimen, Manfred Söllradl, Franz Xaver Wimmer, Martin Traglers, Tanja Traglers, Geflügelzüchter
20.11.2012
- Ernst Gansinger
Das Wissen ist alt. Wer Hühner hatte, hielt sich daran: Getreide wurde angefeuchtet und als gekeimte Körner an das Geflügel verfüttert. Solches Keimgetreide hilft den Hühnern, die Nahrung mit ihrem relativ einfach gebauten Magen-Darm-System besser zu verwerten. In der Massentierhaltung ist dieses Wissen verschüttet worden. Vor drei Jahren hat nun Manfred Söllradl, Kremsmünsterer Geflügelzüchter und Geschäftsführer der Schlierbacher Geflügel GmbH („Eiermacher“), mit Versuchen begonnen, für größere Hühnerherden Futter zu keimen. Er erfand das Keimrad.
Vorteile des Keimens. Söllradl zur Seite stand Franz Xaver Wimmer, ein gelernter Botaniker. Er hat recherchiert, wie sich das Keimen auf die Samen auswirkt. Natürlich ist alles viel komplexer, aber es lassen sich doch auch für Laien wichtige Vorteile benennen: Es ist nicht mehr notwendig, künstlich hergestellte Aminosäuren zu füttern, und man kann auf Eiweiß aus fraglicher Herkunft verzichten. Damit gelingt eine Futterzusammensetzung, die ausschließlich aus heimischer Produktion ist. „Der Bauer kann verfüttern, was hier wächst. Er ist damit wieder in der Verantwortung. Das Hendlfutter ist aufgewertet. Und die Hühner verdauen es besser.“ 13 Deka Futter, 6 Deka Ei. Wer mit Martin Tragler durch das Freigehege in Schlierbach geht, wird von neugierigen Hennen begleitet. Die Traglers – mit 2000 Bio-Freiland-Hennen – setzten als Erste das Keimrad im Betrieb ein. „Es ist enorm, was so eine Henne leistet“, würdigt Tragler unter gackerndem Beifall der Hennen die Legeleistung von 300 Eiern pro Jahr, durchschnittlich pro Tag fast ein Ei. Dazu nimmt eine Henne 12 bis 13 Dekagramm Futter zu sich. Ein Ei wiegt 6 Dekagramm! Die Henne dankt das gute Futter!
Perfekt füttern. „Damit ein Hendel 300 Eier im Jahr legt, muss die Nährstoffversorgung sehr gut sein“, sagt Tragler, der auch Obmann von BIO AUSTRIA Oberösterreich ist. Das gekeimte Futter senkt die Futterkosten und verringert – gemessen an den Sojaimporten aus Übersee – den CO2-Ausstoß. Das Keimrad. Der Anstoß zu den Forschungen am Keimrad war ein ähnlicher wie bei Keimlingsbäcker und Solidaritätspreisträger Karl Mayer aus Schardenberg: die Kraft und den Wert der Keimlinge für die Ernährung nutzen. Bäcker Mayer backt Brot, das Keimrad liefert Hühnerfutter. Bäcker Mayer achtet auf regionale Bio-Rohstoffe. Durch das Keimrad wird ausschließliche Bio-Fütterung möglich,was auch die Erfindung des Keimrades anstieß: Denn noch sind in der EU Übergangsregelungen für Bio-Betriebe in Kraft, wonach durchschnittlich fünf Prozent Futtermittel aus konventioneller Produktion mit-verwendet werden dürfen, um eine ausgewogene Fütterung zu erreichen. Das Keimrad sorgt bio-logisch für diese Ausgewogenheit. Darin keimt das Futter die optimale Zeit – vier Tage. – Es gibt mehrere Keimrad-Größen. Auf Söllradls Hof steht eines für 3000 Legehennen.
Rund ums Ei
Eierkonsum. Durchschnittlich isst der/die Österreicher/in 240 Eier pro Jahr. Ostern und Weihnachten sind Eier-Hoch-Zeiten.
Legehennen, Eier. Österreichs 5,7 Millionen Legehennen legten im letzten Jahr 1,7 Milliarden Eier, knapp zwei Milliarden wurden verzehrt; Eier werden auch importiert. Eier aus Bodenhaltung, Bio-Eier, Freiland-Eier. Vier von fünf Eiern werden über den Lebensmittel-Einzelhandel verkauft, wobei zwei von drei Eiern aus Bodenhaltung kommen, 22 % sind Freilandeier und 11 % Bio-Eier. Käfighaltung. Seit 2009 gibt es in Österreich keine Eier mehr aus Käfighaltung. In der EU gilt das Verbot seit 2012, aber etliche Länder verstoßen dagegen.
Kennzeichnung. Seit 2004 sind in der EU die Eier einzeln gekennzeichnet: Der Zahlencode informiert über Haltungsform und Herkunft. Ganz vorne (vor der Landeskennung, z.B. AT für Österreich) steht eine Ziffer, wobei 0 Bio bedeutet, 1 Freilandhaltung, 2 Bodenhaltung und 3 Käfighaltung. Nach der Landeskennung steht die Betriebsnummer des Legebetriebes.