„Christen sind ein integrativer Teil der ägyptischen Gesellschaft“
Der Nahost-Korrespondent Karim El-Gawhary zog bei der Generalversammlung des Christlichen Lehrervereins mehr als 5000 Lehrer/innen in den Bann seiner Analyse: „Es gibt keine Abkürzung im Durchsetzen der Rechte. Sie müssen in der Gesellschaft erkämpft werden“, meinte er.
„Es ist schwer vorherzusagen, wie die Geschichte weitergeht“, sagte Karim El-Gawhary, Leiter des ORF-Büros in Kairo, über den Aufbruch in der arabischen Welt. Doch einiges stehe fest: die Unumkehrbarkeit des Prozesses, die Haftbarkeit für politisches Handeln und der Faktor öffentliche Meinung, die die Regierungen unter Druck bringe. Einerseits – andererseits. Die Merkmale des demokratischen Aufbruchs in Ägypten sind aber einerseits – andererseits: Einerseits trugen Frauen zu einem wesentlichen Teil die Proteste mit, zum anderen sind sie nun politisch wieder zurückgedrängt. Zum einen gab es bei den Protesten am Tahrirplatz erstmals ein gemeinsames Engagement von Christen und Muslimen, zum anderen gibt es jetzt ein Klima, das Kopten verstärkt veranlasst, auszuwandern. Andererseits aber nehmen Kopten nun erstmals auch aktiv an der Politik teil. El-Gawhary meinte: „Christen sind ein integrativer Teil der ägyptischen Gesellschaft.“
Nicht lehrmeistern! An Europa gerichtet warnte er, dass der alte Kontinent die Entwicklung im Nahen Osten verschlafen habe. Der Westen (die USA und Europa) täte angesichts der jahrelangen Unterstützung diktatorischer Systeme im arabischen Raum gut daran, sich im Nahen Osten nicht als demokratischer Lehrmeister aufzuspielen.