Wer hat den längeren Atem? Die Gratismedien und Internet-Plattformen – oder die von Leser/innen bezahlten Zeitungen? Demokratie braucht Qualitätszeitungen, appellieren Zeitungsherausgeber an die Politik.
Im Jahr 2028 wird es in Österreich keine Zeitungen mehr geben. Über diese zurzeit im Internet kursierende Vermutung wird in der Medienszene heftig debattiert. Das Internet werde den Druckwerken den Garaus machen, heißt es. Nicht erst seit dem Aus für die „Frankfurter Rundschau“ und der „Financial Times Deutschland“ innerhalb von zwei Novemberwochen ist vom „Zeitungssterben“ allerorten die Rede. Traditionsreiche Zeitungen in ganz Europa geraten unter Druck. Es wird weiterhin Zeitungen geben! Und die Leute werden dafür auch Geld ausgeben. Darüber ist sich der Vorarlberger Medienunternehmer Eugen Russ sicher. Allerdings: Einen gewaltigen Umbruch ortet auch er. Dem müsse man sich aktiv stellen. Demokratie braucht guten Journalismus. Bei einer parlamentarischen Enquete wurde am 23. November in Wien über den „Mehrwert“ der Zeitung debattiert. Hintergrund: Zurzeit wird über eine neue Presseförderung verhandelt. Vom Staat erwarten sich die Mitglieder im Verband Österreichische Zeitungen (VÖZ) Umstrukturierungshilfen, denn stirbt der Qualitätsjournalismus, schadet das der Demokratie. Darüber waren sich Politik und Medienleute fast einig. Nur BZÖ-Mediensprecher Petzner meinte: „Ich brauche keine Zeitungen.“ Ihm genügt, was eine Milliarde Leute auf Facebook verbreiten und was sich auf Twitter finden lässt. „Mit anonym produzierten Nachrichten allein wird die Demokratie nicht besser“, kontert Klubobmann Kopf von der ÖVP. Mit seinem Koalitionskollegen Cap (SPÖ) ist er für eine Erhöhung der Presseförderung durchaus zu haben.
Konkurrent Google. Die Internet-Konkurrenz macht den Verkaufszeitungen doppelt zu schaffen: Viele geben sich mit den Gratis-Angeboten zufrieden. Und: Riesige Summen an Inserateneinnahmen wandern ins Internet ab. Google verdient in den USA durch Anzeigenerlöse mehr als alle US-Zeitungen zusammen. Auch die Google-Werbeeinnahmen aus Europa fließen unversteuert in die Konzernzentrale im Silicon Valley. Für Zeitungsunternehmer Russ ist daher klar: Hier wäre das Geld zu holen, damit Qualitätsjournalismus auch bezahlt werden kann. Mehrwert der Kirchenzeitungen. Um die Bedeutung von Kaufzeitungen zu unterstreichen, hat der Verband Österreichischer Zeitungen einen „Mehrwert-Bericht“ vorgelegt. Demokratie braucht Qualitätsjournalismus, ist die Hauptbotschaft. Auch die Kirchenzeitungen, so der Bericht, leisten dazu ihren Beitrag. Sie tragen zur Chancengleichheit in der Gesellschaft bei, heißt es darin. Und sie leisten einen wichtigen Beitrag zur Solidarität im ländlichen Raum. „Ob öffentlicher Verkehr, Bildungsangebote, Arbeitsmöglichkeiten, Infrastruktur: ländliche Gemeinden stehen unter Druck“, heißt es. Kirchenzeitungen haben in diesem Bereich ihren größten Marktanteil. Für die Gesellschaft bedeutsam ist auch der generationsverbindende Akzent: Die „Zielgruppe“ der Kirchenzeitungen ist nicht eingeengt auf einzelne Schichten oder eine bestimmte Generation, sie sind vielmehr auf das Verbindende unter diesen ausgerichtet.“ Und: Kirchenzeitungen haben die Opfer gesellschaftlicher, sozialer und wirtschaftlicher Ausgrenzung sowie Fragen nachhaltiger Wirtschaft und Politik besonders im Blick.