Sieben bis acht Sitzungen im Jahr, dazu jährlich eine zwei- bis dreiwöchige Projektreise nach Afrika oder Lateinamerika – und das alles ehrenamtlich neben Familie und Landwirtschaft. Hans Liebletsberger erzählt, warum er sich 21 Jahre für SEI SO FREI eingesetzt hat.
Ausgabe: 2012/50, Sei so frei, Katholischen Männerbewegung, Liebletsberger, Ehrenamt, Projekte,
11.12.2012
- Josef Wallner
Von 1991 bis Herbst 2012 war Hans Liebletsberger Mitglied im SEI SO FREI Komitee der Katholischen Männerbewegung. 18 Jahre lang leitete er das siebenköpfige Gremium, das über die Auswahl der Projekte in Afrika und Lateinamerika sowie über die Vergabe von jährlich 2,4 Millionen Euro entscheidet. Warum haben Sie dieses sehr aufwändige Ehrenamt auf sich genommen? Hans Liebletsberger: Von meiner Entwicklungshelferzeit in Bolivien ist mir die Sehnsucht nach Weite geblieben. Und mich haben die Fragen bis heute nicht mehr losgelassen, die sich bei einem solchen Einsatz stellen: Warum wird in unserer Welt mit so vielen Möglichkeiten so halbherzig geholfen? Das beschäftigt mich sehr – die große Ungerechtigkeit.
Haben Sie eine Antwort, warum weltweit wenig weitergeht? Nein, aber dort wo ich kann, wo die Aktion SEI SO FREI kann, bemühen wir uns zu helfen. Und es ist schön, wenn man Erfolge sieht. Wenn ich auf die 20 Jahre im Komitee zurückschaue, hat sich viel bewegt. Gerade im landwirtschaftlichen Bereich, wo SEI SO FREI viele Projekte hat und zum Beispiel beim Aufbau von Kooperativen hilft, kann man viel erreichen. Können Sie uns eine Erfolgsgeschichte vorstellen? Ich denke an Kakaobauern in Nicaragua. Die Familien, die der Kooperative angehören, die von SEI SO FREI unterstützt wird, sind drei Schritte weiter als die anderen. Die Kinder besuchen bessere Schulen, es gibt eine Hygiene ums Haus und sie sind auch besser angezogen. Das macht einen schon ein wenig stolz, wenn man sieht, wie sich der Einsatz lohnt.
Was sind die beeindruckendsten Erlebnisse auf einer Projektreise? Das Schönste sind die Gespräche mit den Menschen vor Ort, ob in einem Klassenzimmer oder im Schatten eines Baumes, berührend sind die hoffnungsvollen Blicke der Leute und die Dankbarkeit, dass Europäer überhaupt in diese zumeist verlassenen Winkel der Welt kommen. Wenn Sie von einer Projektreise nach Hause kommen, was fällt Ihnen dann besonders auf? Wie verwöhnt und kleinkariert wir oft sind, wie schief so manches bei uns läuft. Was läuft schief? Die Weltwirtschaft strebt auf Teufel komm raus nach Profit. Es kommt dabei so vieles zu kurz: die Familie, die Lebensqualität und auch die Religion. Da muss es ein Umdenken geben und ich muss mich fragen: Wie kann ich zu einer gerechteren Welt beitragen?
Was bedeutet die Begegnung mit den Menschen in den Ländern des Südens für Ihren Glauben? Vor allem die Gottesdienste in den Basisgemeinden in El Salvador oder Nicaragua faszinieren mich. Eine Sonntagsmesse dauert dort schon einmal mehr als zwei Stunden, aber das kommt einem nicht lange vor, weil der Alltag in die Verkündigung einfließt, weil sich das Leben nicht vom Gottesdienst trennen lässt.
SEI SO FREI-Sonntag
Der dritte Adventsonntag ist der SEI SO FREI Sonntag, an dem an den Kirchentüren für die Eine-Welt-Aktion der Katholischen Männerbewegung gesammelt wird. Das heurige Schwerpunktland ist Guatemala. 720 Kinder und ihre Lehrer/innen aus Bergdörfern erhalten in der Schule zweimal wöchentlich ein vitaminreiches Essen, das SEI SO FREI finanziert. Dieser Ausgabe der KiZ liegt ein Erlagschein bei.