Im lichtdurchfluteten Keller des Theresienheims in Lustenau herrscht konzentrierte Stille. Sechs Kinder sitzen gemeinsam mit ein paar erwachsenen Ehrenamtlichen um den Tisch, der mit Heften und Büchern bedeckt ist. Es wird gelernt. Englisch, Deutsch und Mathe. Einen Raum weiter geht es etwas lauter, aber nicht weniger konzentriert zu: Fadime und Derya arbeiten dort an einem Plakat für die Schule, das sie mit Filzstiften und Farben verschönern möchten. Daneben prüft der ehrenamtliche Mitarbeiter Ulrich gerade die Hauptstädte Europas ab.
Lernen fürs Leben. Das Lerncafé in Lustenau gibt es seit gut einem Jahr – und es kann durchaus schon Erfolge vorweisen: Freundschaften wurden geschlossen, Lehrer/innen melden schulische Weiterentwicklungen und die Kinder haben Spaß am Lernen. 26 Schüler/innen kommen an bis zu drei Nachmittagen pro Woche ins Theresienheim, um gemeinsam mit zwölf Freiwilligen und einer Koordinatorin ihre Zeit zu verbringen. Im Mittelpunkt stehen dabei natürlich Hausaufgaben und die Vorbereitung auf Tests und Schularbeiten. „Nebenbei“ werden aber auch die sozialen Kompetenzen der Kinder und das Verständnis für verschiedene Kulturen und Religionen gefördert.
Kostenlos, aber nicht umsonst. Im Lustenauer Theresienheim befindet sich eines der inzwischen 25 Lerncafés der Caritas, die in allen Bundesländern ein kostenloses Lern- und Nachmittagsprogramm für Schüler/innen zwischen sechs und 15 Jahren anbieten. Ausgangspunkt war die Erfahrung, dass es für Kinder von Zuwanderern – aber nicht nur für sie – Hürden im Schulalltag gibt, die ohne Hilfe von außen nicht bewältigt werden können. Die Gründe dafür sind vielfältig: kein Geld für Nachhilfestunden, kaum Platz zum Lernen in viel zu kleinen Wohnungen, niedriges Bildungs- und Sozialniveau der Eltern, mangelhafte Deutschkenntnisse oder fehlende Zeit der Eltern. Entwickelt wurde das Projekt von der Caritas Graz, die im Herbst 2007 damit im Stadtteil Gries startete. Die Idee fiel zunächst in der Steiermark (Graz-Lend, Leoben und Knittelfeld), in Niederösterreich (Amstetten) und Kärnten (Wolfsberg) auf fruchtbaren Boden. Richtig österreichweit durchgestartet ist dieses Modell im vergangenen Jahr durch die finanzielle Unterstützung des Staatssekretariates für Integration.
Familiär und persönlich. Eines zeigte sich bereits in kurzer Zeit: Der Bedarf besteht und das Caritas-Projekt Lerncafé kommt nicht nur bei den Kindern und vielen Eltern gut an. Vertreter/innen der Schulen melden rasche Lernerfolge zurück, die die Leiterin der youngCaritas-Vorarlberg, Margaritha Matt, vor allem auf eines zurückführt: den familiären und persönlichen Charakter im Lerncafé, wo wirklich auf die Stärken und Schwächen der Kinder eingegangen werden kann. Möglich ist das erst durch die zahlreichen Freiwilligen, die sich hier engagieren. Gabi Fetz und Ulrich Hämmerle sind zwei von ihnen. Sie wollten „etwas Sinnvolles für andere machen“ und fanden im Lerncafé den Ort, wo sie ihre lange Erfahrung als Lehrer/in ideal einbringen können. Belohnt werden sie mit den Lernerfolgen ihrer Schützlinge und mit einer im Schulalltag oft kaum spürbaren Freude am Lernen. Dazu trägt sicher auch die fix im Nachmittagsablauf eingeplante Freizeit- und Spielstunde bei. Sportliche Aktivitäten sind dabei ebenso beliebt wie kleine Ausflüge, kreative Workshops oder Quizspiele. Und sogar auf die „gesunde Jause“ wird geachtet.
Zur Sache
2007 eröffnete in Graz das erste „Lerncafé“. In den Welser Pfarren St. Josef/Pernau und Hl. Familie/Vogelweide sowie in Marchtrenk gibt es ebenfalls Lerncafés. Vorläufer wie die von kirchlichen Jugendzentren oder der Caritas organisierten Lernhifeangebote gab es bereits. So wie diese setzen auch die Lerncafés auf die Mitarbeit von Freiwilligen. Es gibt hier aber auch professionelleLeitung, Eltern und Schulen werden einbezogen. Lerncafés verstehen nicht nur bessere Deutschkenntnisse, sondern „umfassende Bildung“ als „Baustein der Integration“. Seit 2010 stehen die Lerncafés auf der „best practice“-Liste der EU. - Infos und Orte: www.caritas.at/ hilfe-einrichtungen/lerncafes/