Danielle Spera über jüdisches Leben in Österreich: „Das Leben steht niemals still – wir sollen uns immer weiterentwickeln.“ Das gehört zum Wesen des Judentums, meint sie.
Linz. Die prominente frühere ORF-Moderatorin hat das auch ganz persönlich vollzogen. Sie wechselte 2010 den Beruf und wurde Direktorin des Jüdischen Museums in Wien. Mit rund 300 Gästen sprengte ihr Vortrag bei der Severinakademie am 8. Jänner die Kapazität des Großen Hörsaals der Theologischen Universität in Linz. Allein das ist ein Zeichen, wie stark das Interesse am Judentum in Oberösterreich heute ist. Danielle Spera erzählte, dass sie dieses erwachende Interesse auch sonst in Österreich feststellt. Rund 8000 Mitglieder zählt die jüdische Gemeinde in Wien, ebenso viele weitere Juden dürften außerhalb der Gemeinde dort leben. Wien war einst die Hauptstadt jüdischen Lebens in Europa. In der Blütezeit des Wiener Judentums waren es über 200.000, vor 1938 wird die Zahl mit 185.000 angegeben. Heute – nach der Vernichtung und Vertreibung des Großteils der jüdischen Bevölkerung – geht es für Spera einfach darum „zu zeigen, dass es uns noch gibt“. Freilich, außerhalb der Bundeshauptstadt gibt es nur mehr ganz wenige Juden. Mit dem jüdischen Museum will Spera jüdisches Leben und jüdische Traditionen zeigen und dabei „das Gemeinsame vor das Trennende stellen“. Ihren Berufswechsel vom Journalismus zur Museumsdirektorin hat sie auch aus persönlicher Überzeugung vollzogen. Sie will nicht, dass die Traditionen und die jüdische Lebensweise einfach verloren gehen. Mit ihrer eigenen Familie mit drei Kindern versucht sie den Alltag in diesem Sinne zu leben.