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Mein Kind soll es besser haben

Martina Wolkerstorfer lebte lang Zeit am Rand der Gesellschaft. Nach Gewalterfahrungen und Aufenthalten in Heimen, nach Notschlafstelle und Obdachlosen-Unterkunft hat der jetzt elf Monate alte Jonas Alexander das Leben der Mutter verändert.
Ausgabe: 2013/04, FRIDA, Haus für Mutter und Kind, obdachlos, Kupfermuckn, alleinerziehend
22.01.2013
- Ernst Gansinger
„Mein Kind soll es einmal besser haben“ – dieser Titel aus der jüngsten Ausgabe der Straßenzeitung „Kupfermuckn“, der den Wunsch einer wohnungslosen Frau ausdrückt,  beschreibt auch Martina Wolkerstorfers Anstoß zu einem geänderten Leben. Ihre Lebensgeschichte handelt von Gewalt, Abstieg und unauffindbaren Auswegen aus dem Leben am Abgrund. An die Veränderbarkeit glauben. „Bei mir war alles extrem“, erzählt sie in den Räumen von FRIDA, einer Caritas-Einrichtung, die für wohnungslose Frauen ein Rückzugsangebot ist. Während sie von ihrer schwierigen Geschichte und den Hoffnungen für die Zukunft erzählt, sitzt Jonas Alexander auf ihrem Schoß und trägt mit seiner aufmerksamen Ruhe seinen Teil zum entspannten Gesprächsklima bei. Durch ihn und mithilfe von Sozialarbeiter/innen hat Martina die Kraft bekommen, an die Veränderbarkeit zu glauben. Vorher war die heute 28-Jährige „immer an den falschen Orten, immer mit den falschen Menschen zusammen“. Alkohol, Gewalt und ein Leben auf der Straße waren die Zutaten dieses Lebens. Im Haus für Mutter und Kind. Ähnlich schildert Frau Michaela* ihr Leben. Sie wohnt im Haus für Mutter und Kind der Caritas in Linz und bereitet sich auf ein eigenständiges Leben vor. Ihr ­Lebensgefährte, der Vater der Kinder, war immer gewalttätig und ist häufig im Gefängnis. In den Zeiten seiner Freiheit schlug er auch Michaela brutal. Als das zweite Kind geboren war, hat er Michaela mit Messerstichen in den Kopf schwer verletzt. Die damals dreijährige älteste Tochter wurde Zeugin der brutalen Attacke. Michaela trennte sich von ihm und fand Unterkunft in einer betreuten Wohnung. Vor mehr als einem Jahr kam sie ins Haus für Mutter und Kind. „Erst seit ich hier bin, kann ich mit den Kindern gut umgehen.“ Wie Martina Wolkerstorfer hofft sie auf ein Leben, das den beiden Mädchen eine gute Basis für die Zukunft ist. Ein wichtiger nächster Schritt wäre nun, eine eigene Wohnung zu finden. Wohnung, Ausbildung und Arbeit. Martina Wolkerstorfer ist diesen Schritt schon voraus. Mitte Februar kann sie mit Sohn Jonas Alexander die neue Wohnung beziehen. Im Mai beginnt sie eine Ausbldung zur Pflegehelferin. Voller Optimismus blickt sie in die Zukunft. „Es wäre halt wichtig, dann schnell eine Arbeit zu finden. Leicht wird es nicht.“ Es mit Schwerem aufzunehmen aber ist sie gewöhnt. Mit 13 Jahren zog sie von daheim aus, ging freiwillig in ein Heim. Sie wollte der Gewalt entfliehen. Jetzt will sie schauen, dass es dem Kind besser geht. „Dass er nicht so aufwächst wie ich. Dass er nicht freiwillig ins Heim geht wie ich. Dass sein Vater endlich Verantwortung übernimmt ...“ Abwesende Väter. Die fehlende Verantwortung des Kindesvaters spricht auch Michaela mehrmals an. Zum einen will sie, dass er, solange er gewalttätig ist und säuft, keinen Kontakt zu den Kindern hat. Lange hat sie den Kindern wegen des abwesenden Vaters etwas vorgemacht: Vater ist arbeiten! Jetzt erzählt sie, Papa müsse erst gesund werden. Zum anderen wünscht sie den Kindern, dass sie Beziehung zu ihrem Vater haben. Gute Zukunft. Auch gute Zukunft wünscht die Mutter ihren Kindern. Als sie zur Welt kamen, hoffte sie, dass sich damit die Situation ändert. In ihr haben die Kinder den Schalter jedenfalls umgelegt. Er steht jetzt auf: Heraus aus dem Schlamassel! DasWohnen und Betreut-Sein im Haus für Mutter und Kind sowie die Behandlung der psychischen Probleme rücken eine gute Zukunft in greifbare Nähe. Narben der Vergangenheit. Wenn sie zehn Jahre in die Zukunft denkt, was soll da sein? – Lange muss Michaela nicht nachdenken: „Die Kinder haben einen schönen Beruf. Sie sind glücklich. Und wenn sie Hilfe brauchen, bin ich für sie da.“ Dann aber bremst sie sich im Ausmalen der schönen Zukunft ein: „Ich kann noch nicht so weit nach vorne schauen, denn ich weiß noch nicht, was am nächsten Tag ist.“ Da ist Martina schon sicherer, obwohl auch sie wie Michaela noch Depressionen – Narben der Vergangenheit – behandeln lassen muss. Aber sie hat wieder Kontakt zu ihrer Familie geknüpft; lange war dieser verschüttet. Und sie hat eine Perspektive für sich und den Sohn. * Name von der Redaktion geändert
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