„Öffnung des Zivildienstes für Frauen auf freiwilliger Basis“
Knapp die Hälfte der Wahlberechtigten nahmen vergangenen Sonntag an der ersten österreichweiten Volksbefragung teil. Fast 60 Prozent sprachen sich dabei für die Beibehaltung der Wehrpflicht und des Zivildienstes aus. Dieses klare Ergebnis ist kein Ruhekissen, sondern Auftrag für Reformen, betonen Bischofsvikar Werner Freistetter und Caritaspräsident Franz Küberl.
Ausgabe: 2013/04, Wehrdienst, Zivildienst, Volksbefragung, Werner Freistetter, Franz Küberl, Reform, Militär
23.01.2013
- Hans Baumgartner
Er sei froh, dass die Volksbefragung eine klare Entscheidung gebracht habe, betont der Militärseelsorger und Leiter des Instituts für Religion und Frieden, Werner Freistetter. Gleichzeitig warnt er davor, dass man nun so weitertue wie bisher. Die durch die Volksbefragung entstandene Debatte sei eine Chance, die seit längerem im Parlament liegende Neufassung der österreichischen Sicherheitsstrategie unter Einbindung der Bevölkerung und auf Basis des Volksentscheides zu diskutieren und zu beschließen. Dabei sei es wichtig, den Menschen einsichtig zu machen, welcher Beitrag in einem umfassenden Sicherheitskonzept der militärischen Komponente zukommt, welche Aufgaben damit für das Bundesheer verbunden sind und warum dafür die Wehrpflicht sinnvoll ist. Es genüge nicht, die Wehrpflicht damit zu begründen, dass wir Zivildiener brauchen oder genügend billige Leute, die bei Katastrophen den Schnee oder den Schlamm wegschaufeln. Junge Soldaten hätten das Recht auf eine gute Begründung, warum ihr Dienst für die Sicherheit des Landes, aber auch für die Sicherheit Europas Sinn mache. Der viel beklagte „Leerlauf“ sei nicht nur eine Frage der Ausbildungsstruktur, sondern auch eine Frage, ob die jungen Männer sich wirklich gebraucht fühlen und ihr Einsatz auch entsprechend wertgeschätzt wird. Nachdem im Zuge der Volksbefragung der Wehrdienst als „megasinnlos“ oder als „Zwangsrekrutierung von Kindern“ abgewertet worden sei, liege es nun an den Verantwortlichen, ernsthaft einen Neuanfang zu machen. Das, so Freistetter, sei eine Bringschuld der Politik.
Reformagenda. Bei der Reform des Bundesheeres, wofür es durchaus brauchbare Vorschläge von Seiten der Militärs gebe, gehe es aber nicht nur um organisatorische, finanzielle oder strategische Fragen, sondern auch um den Bereich der Werte wie Solidarität, Demokratie oder Friede. Die Militärseelsorge, so Freistetter, sei bereit, dazu ihren Beitrag zu leisten, aber nicht als „Wasserträger der Politik“, sondern vor allem als pastorale Einrichtung, die sich den Sinn- und Lebensfragen der jungen Männer verantwortlich weiß. Wie diese Wegbegleitung unter den heutigen Herausforderungen ausschauen kann und soll, darüber will das Militärordinariat auch bei ihrer Diözesansynode im Herbst beraten.
Freiwillige stärken. Caritaspräsident Franz Küberl sieht den klaren Volksentscheid ebenfalls als Auftrag an die Politik, jetzt rasch Reformen beim Bundesheer und beim Zivildienst in Angriff zu nehmen. Beim Zivildienst fordert Küberl eine „Öffnung für Frauen auf freiwilliger Basis“. Dafür sprechen sich nach einer neuen Umfrage 89 Prozent der Frauen und 94 Prozent der Männer aus. Dadurch wäre es auch möglich, dass junge Frauen, die einen Gedenkdienst oder einen freiwilligen Sozialeinsatz im Ausland leisten, eine bessere finanzielle und rechtliche Absicherung bekommen. Bisher müssen sie derartige Einsätze oft mit eigenem Geld mitfinanzieren. Weiters fordert Küberl eine Gleichbehandlung aller Einrichtungen, die Zivildiener in Anspruch nehmen. Und schließlich tritt Küberl dafür ein, das freiwillige Engagement für die Gesellschaft zu stärken. Das betreffe sowohl die bessere Unterstützung des „Freiwilligen Sozialen Jahres“ für junge Leute als auch eine stärkere Förderung der Freiwilligenarbeit insgesamt als notwendige Stärkung der Solidarität im Land.