Einmal pro Woche besucht Christian Benoni „seine Damen“ in der Wohngemeinschaft für Demenzkranke der Caritas Socialis. Er wollte sich in der Pension sozial engagieren. „Aber man bekommt von diesen Menschen auch sehr viel zurück“, sagt er.
Ausgabe: 2013/06, Welttag der Kranken, Demenz, Caritas Socialis, Christian Benoni,
06.02.2013
- Hans Baumgartner
Viele Jahre war Christian Benoni als Verkaufsleiter im Autohandel tätig. Nach seiner Pensionierung suchte er nach einer Möglichkeit, sich sozial zu betätigen. „Da ich gerne mit Menschen zu tun habe, sah ich darin auch eine Gelegenheit, zusätzlichen Sinn in mein Leben zu bringen.“ Durch einen Bekannten erfuhr er von einem Kurs für Lebens-, Sterbe- und Trauerbegleitung im Kardinal-König-Haus. Diese Thematik habe ihn als Herausforderung gereizt, meint Benoni. „Und nachdem wir dort auch einiges über den Umgang mit dementen Menschen erfahren haben, sei er auf die Spur der Caritas Socialis gekommen, in deren Einrichtungen – von den Kindergärten bis zu den Pflegestationen – neben 900 hauptamtlichen auch über 300 ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen tätig sind
Seit einem Jahr kommt Benoni ein Mal pro Woche in eine CS-Wohngemeinschaft für Demenzkranke, „um mich mit einigen der dort lebenden Damen zu befassen“. Er spielt mit ihnen „Mensch ärgere dich nicht“ oder Domino, geht mit ihnen spazieren, besucht ein Kaffeehaus und „manchmal bin ich einfach nur da, um ihnen zuzuhören. Auch wenn das oft nur Wortfetzen sind und Geschichten wie aus einer anderen Welt, es ergeben sich dann doch wieder Zusammenhänge, wo man merkt, die wollen dir etwas sagen.“
Wenn sich demenzkranke Menschen öffnen
Auf die Frage, wie schwierig es sei, mit dementen Menschen umzugehen, kommt die prompte Antwort: „Eigentlich gar nicht. Man muss nur Freude am Umgang mit Menschen haben und man sollte keine Berührungsängste haben, denn natürlich sei einiges, was einem die Leute sagen oder wie sie sich verhalten, zunächst befremdlich. Wenn man ihnen aber mit Mitgefühl begegnet und wahrhaftig ist, sie nicht mit einem billigen Sager abspeist, sondern wirklich ernst nimmt, in dem, was sie ausdrücken wollen, dann erlebt man Momente, wo sie sich wieder öffnen können und wo man dann ganz tiefe Dinge aus ihrem langen, reifen Leben mit ihnen teilen darf.“ In solchen Momenten erlebe er dann auch immer wieder „eine große Dankbarkeit vonseiten der Patientinnen, dass da jemand ist, der das wahrnimmt und aufgreift“, sagt Benoni. So etwa betreue er eine Frau, die nach außen hin sehr schwerhörig ist. „Wenn ich mich mit ihr aber einige Zeit beschäftige, hört sie auf einmal ganz normal und kann sich auch mitteilen.“
Ein Platz außerhalb des Hamsterrads
Als Autohändler, aber auch im normalen Alltag meine man oft, Schmäh führen zu müssen, sagt Benoni. „Im Umgang mit Demenzkranken lernt man, wirklich Ich selbst zu sein, authentisch zu sein. Und man denkt sich oft, was läuft in unserer Gesellschaft falsch, dass im Hamsterrad des Alltags für diese Menschen kein Platz bleibt. Aber nicht nur für sie“, meint Benoni. „Ich habe auch die schönste Zeit mit meinen Söhnen verpasst – und hole sie jetzt mit den Enkeln nach.“