In Österreich geht man durchschnittlich mit 58,2 Jahren in Pension und kann damit rechnen, 80 Jahre oder älter zu werden. Das frühe Pensionsantrittsalter und die steigende Lebenserwartung werden zu einer großen Belastung, warnt der Volkswirtschaftsexperte Friedrich Schneider.
„Das Pensionsantrittsalter ist 65 Jahre, es gehen aber viele auch zehn Jahre früher. Das bedeutet, dass viele Jahre Beitragszahlungen fehlen und genauso viele Jahre länger Pensions-Zahlungen geleistet werden müssen.“ Elf Milliarden Euro werden aus dem Bundesbudget den Pensionskassen zugeschossen. „Im Grunde ist das System schon pleite.“ Müsste aus dem Budget nichts zugeschossen werden, gäbe es in Österreich kein Defizit. Es müsse daher etwas getan werden, wenn nur 30 Prozent der Österreicher/innen zwischen 54 und 63 Jahren noch erwerbstätig sind. Auf Sicht gesehen, meint Schneider, müsse man das Antrittsalter wahrscheinlich auf 67 Jahre erhöhen.
Auch Arbeitgeber sind in die Pflicht zu nehmen
Wer gesund ist, sollte das normale gesetzliche Antrittsalter erreichen. Dazu sind auch die Arbeitgeber in die Pflicht zu nehmen, betont Schneider. Sie dürften 55-Jährige nicht kündigen, weil 25-Jährige vielleicht nur die Hälfte kosten. Es gebe zwei Möglichkeiten, dazu förderliche Rahmenbedingungen zu schaffen: eine andere Lohnkurve, die die Gehälter ab 45 Jahren nur mehr sehr gering ansteigen lässt, sowie die Lohnnebenkosten (das sind vor allem Sozialversicherungsbeiträge) ab dem 55. Lebensjahr zu senken. Wie es derzeit läuft, verschieben Arbeitgeber und Arbeitnehmer ihre Lasten auf die Allgemeinheit in die Zukunft. Auch ein Pensionskonto bei den Firmen (wie etwa in der Schweiz) wäre ein Weg, für die Altersvorsorge vorzusorgen.
Verantwortungslos den Kindern gegenüber
Frühpensionierungen ohne gesundheitliche Gründe nennt Schneider eine „gigantische Verschwendung von wirtschaftlichem Kapital“. So werden viele hinausgeschmissen, die noch sehr viel leisten können. „In vielen Berufen ist die Erfahrung ein ganz entscheidender Faktor, und es ist verrückt, die Menschen so früh in Pension zu entlassen und so dieses Kapitel zu verlieren. Auch für die Betroffenen ist es nicht lustig, mit 55 zum alten Eisen zu gehören.“ Ein gesellschaftlicher Grundkonsens sei wichtig, um zu einer Änderung zu kommen, und die sei rasch notwendig. Das nicht anzutasten „ist eine verantwortungslose Haltung der Gesellschaft und unseren Kindern gegenüber“, sagt Schneider.
Das Wichtigste ist die Information
Es laufe viel falsch, fährt Schneider fort. Rund um die Pension – wie viele Beiträge der einzelne Mensch bisher geleistet hat, welche Ansprüche ihm daraus erwachsen – liege vieles in einem Nebel. Doch Information sei die Grundvoraussetzung, dass sich etwas ändern kann. In ein Pensionsrecht müsste auch hinein, dass jene, die gesund in Frühpension gehen, einen Teil ihrer Zeit gesellschaftlich zur Verfügung stellen müssen. Sie sollten in ihrem Bereich ehrenamtlich etwas beitragen. Ein Buchhalter etwa könnte die Buchhaltung im Altenheim machen. „Das fände ich mehr als fair, und ich glaube, das würden viele gerne machen.“
Sicherheit geben
Der Staat müsse ehrlich reden und Sicherheit geben: Du kriegst deine Pension, aber in der Höhe und bei dieser Lebenserwartung so lange, das ist nicht möglich. Da liegst du der Generation der Enkerl ganz gewaltig auf der Tasche.“ Wenn wir nicht handeln, spalten wir die Gesellschaft, warnt Schneider.
Stichwort: Pensionen
- Pensionen. 2.250.000 Menschen bekamen im Jahr 2011 Leistungen aus einer der gesetzlichen Pensionsversicherungen, 880.000 Frauen und 1.360.000 Männer. - Alterspensionen, Frühpensionen. 1,5 Millionen bezogen eine Alterspension, 211.000 eine Invaliditätspension, nur etwas mehr als 3000 eine Schwerarbeiterpension, fast 15.000 eine vorzeitige Alterspension bei langer Versicherungsdauer.