Die Wahlen in Italien zeugen von politischem Nihilismus und wirtschaftlichem Realitätsverlust, meint Ingeborg Gabriel, Professorin für Sozialethik an die Wiener Katholisch-Theologischen Fakultät.
Ausgabe: 2013/10, Absurden, Politik, Sozialethik, Finanzskandal
06.03.2013
Kopfschütteln löste der Wahlausgang in Italien auch in Österreich aus. So stellte die Professorin für Sozialethik an die Wiener Katholisch-Theologischen Fakultät Ingeborg Gabriel eine „Einkehr des Absurden in die Politik“ fest. Das Wahlergebnis in Italien sei „zutiefst beunruhigend“, die Wahlen zeugten von „politischem Nihilismus und wirtschaftlichem Realitätsverlust“. Gabriel äußerte sich in einem Blogeintrag auf dem Blogportal der Katholischen Kirche Österreich (www.katholisch.at/blogportal/home). Schuld an der „Einkehr des Absurden in die Politik“ tragen laut Gabriel Beppe Grillo und Silvio Berlusconi gleichermaßen: „Ersterer verkörpert in Reinkultur ein neues und beängstigendes politisches Phänomen – das des reinen politischen Protests, eines politischen Nihilismus, der Politik macht und sich ihr zugleich verweigert, also eigentlich über den Populismus hinausgeht.“ Für ein „Nein zu jeder Form vernünftiger Politik“ stehe auch Silvio Berlusconi. „Höchst nachdenklich“ stimme daher, „dass der weder komödiantische noch korrupte Mario Monti so schlecht abgeschnitten hat.“ Doch auch Österreich sei vor solchen Zuständen nicht gefeit, analysiert Gabriel weiter: „Vieles, was uns dieser Tage über die Medien erreicht, hat durchaus auch den Charakter des Unrealen und Absurden und zeigt, dass ein wirtschaftlicher Realitätsverlust der Nährboden ist, auf dem derartige Politikphänomene gedeihen.“ Beispiele seien der Salzburger Finanzskandal und die zahlreichen Korruptionsskandale der vergangenen Monate.