Das Gotteslob ist wie eine Schatzkiste. Ob in der Pfarrgemeinde, in der Familie oder wenn man es allein zur Hand nimmt – man muss sich Zeit nehmen, um zu entdecken, was das neue Buch bereithält.
Wie war die Predigt, wie die musikalische Gestaltung? – Nach diesen Kriterien beurteilen viele Gottesdienstbesucher/innen die „Qualität“ der Feier. Man mag dies als oberflächlich abtun, aber am Bemühen um die Musik führt dennoch kein Weg vorbei: Das neue Gotteslob soll für die Pfarren ein Impuls sein, sich die Bedeutung des Singens im Gottesdienst bewusst zu machen. Die Liedauswahl hat auf eine breite Palette von Stilen geachtet. Domkapellmeister Josef Habringer rät, sich bei der Einführung des neuen Buches nicht zu überfordern. Um mit dem Gotteslob vertraut zu werden, sollte man anfangs möglichst bekannte Lieder verwenden. Schritt für Schritt kann man den Liedkanon erweitern und – falls sie sich eingeschlichen hat – die „alte Leier“ aufbrechen.
Das Gotteslob fürs Wohnzimmer
Das bisherige Gotteslob wurde überwiegend in der Kirche genutzt. Doch endet das Glaubensleben nicht an der Kirchentür, meint Gotteslob-Bischof Friedhelm Hofmann aus Würzburg: Das neue Gotteslob möchte auch Hausbuch sein und helfen, in der Familie oder allein sein Glaubensleben zu gestalten. Neben Morgen- und Abendlob bietet es „Häusliche Feiern“ wie die „Segnung des Adventkranzes in der Familie“, ein „Hausgebet für Verstorbene“ oder für den Heiligen Abend in der Familie.
Werkzeugkiste für priesterlose Gemeinden
Das neue Gotteslob ist erfrischend realistisch. Es nimmt den derzeitigen Umbruch in der Kirche ernst, der sich auch besonders im Priestermangel zeigt. Gott sei Dank gibt es Ehrenamtliche, die bereit sind, Gottesdienste zu gestalten, betont Bischof Hofmann. Sie sollen im Gotteslob Hilfe finden. Die Vorlagen für Abend- und Morgenlob sowie für Andachten sind konkrete Werkzeuge dafür. Überhaupt das erste Mal in einem gemeinsamen Gebet- und Gesangbuch findet sich eine „Wort-Gottes-Feier“.
Die Andachten
Die Andachten waren – von Anfang an – ein Schwachpunkt des bisherigen Gotteslobs. Diesen hat man nun ausgemerzt. Ein Grundgerüst für Andachten lässt sich mit einer Reihe von thematischen Modulen füllen. So kann man ohne Aufwand abwechslungsreiche und ansprechende Gebetsgottesdienste gestalten.
Neue Ämter für Frauen und Männer
Konsequent in der Spur des Zweiten Vatikanischen Konzils findet sich im Gotteslob eine „Beauftragungsfeier zu einem Dienst in der Kirche“. In Caritas, Seelsorge, Verwaltung und Leitung sind bereits verschiedene haupt- und ehrenamtliche Dienste gewachsen. Das ist keine „Gschaftlhuberei“, sondern Ausdruck des gemeinsamen Priestertums, zu dem alle Gläubigen durch Taufe und Firmung berufen sind. Die Beauftragungsvorlage ist Hinweis darauf, dass die Pfarren nicht auf Initiativen von oben warten müssen, sondern eigenständig und kreativ Ämter einrichten können und sollen. Da wird möglicherweise nicht nur eine neue Kultur, sondern auch Theologie von Ämtern und Pfarre entstehen.
Zur Sache
So kommt man zum Gotteslob
Arbeitsexemplar in jede Pfarre. Über die Dechanten wird ab Mitte März eine Kopie des neuen Gotteslobs in jede Pfarre kommen. Dort kann man sich mit Aufbau und Inhalt vertraut machen und natürlich kann es auch schon eingesetzt werden.
Auslieferung im Herbst. Mit dem ersten Adventsonntag 2013 wird das neue Gotteslob das offizielle Gebet- und Gesangbuch für Deutschland, Österreich und Südtirol sein. Die erste Auflage umfasst 3,6 Millionen Exemplare, rund 550.000 davon für Österreich.
Lesen Sie dazu auch "Feiern mit dem neuen Gotteslob".