„Die Menschenrechte haben immer das Unglück gehabt, von politisch bedeutungslosen Individuen oder Vereinen repräsentiert zu werden, deren Sprache sich oft nur um ein geringes von den Broschüren der Tierschutzvereine unterschied“, hatte die jüdische deutsch-amerikanische Philosophin Hannah Arendt (1906 – 1945) einst gemeint. Sie beschrieb so, wie sozial bedürftige Menschen praktisch zu Objekten der Gesellschaft werden, ohne eigene Handlungsmöglichkeiten.
Im Rahmen eines Symposions beleuchtete die Arbeitsgruppe Wirtschaft – Ethik – Gesellschaft am 11. und 12. April an der Kath. Theol. Privatuniversität Linz die „Werke der Barmherzigkeit“. Deutlich wurde: Es braucht auch eine strukturelle Dimension der Barmherzigkeit. Sie kann nicht auf den guten Willen von Entscheidungsträger/innen oder auf gute Werke einzelner Menschen beschränkt werden. Die Werke der Barmherzigkeit sollen Imulse für politische Veränderungen bringen, sie können nicht auf ein bloßes Empfangen von Wohltaten reduziert werden, meinte etwa Dr. Karin Scherschel (Jena).
Die Gellschaft darf nicht auseinanderfallen in gut Integierte, bei denen die Entscheidungsvollmachten liegen, sowie in Menschen, die ihre Sicherheiten zu verlieren drohen – und ganz unten in „Überzählige“, die nur noch auf andere angewiesen sind und die niemand mehr „braucht“. Kritisch beleuchtet wurden Einrichtungen wie die „Tafeln“, bei denen Menschen zwar Essen bekommen, aber doch die Angewiesenen bleiben, sodass sie keine Wertschätzung erfahren können. Sie haben keine Chance mehr, jemals wieder selbst über ihr Leben zu bestimmen.