In der Lebenswelt Pinsdorf leben und arbeiten gehörlose und taubblinde Menschen mit zusätzlichen Beeinträchtigungen. Ein Besuch in der Morgenrunde.
Ausgabe: 2013/16, Gemeinschaft, Integration, Lebenswelt Pinsdorf, Fellinger, van Dijk
17.04.2013
- Ernst Gansinger
Prof. Fellinger zeichnet und gebärdet die biblische Erzählung vom Fischfang, von Jesus und seinen Jüngern. Er bindet dazu Lebenswelt-Bewohner/innen ein, die mit Freude bei der Sache sind. Auch am abschließenden Lied beteiligen sie sich mit Freude.
Wie die Lebenswelt entstand
Die Initiative zu den mittlerweile zwei „Lebenswelten“ – die ältere ist in Schenkenfelden, die jüngere seit 2011 in Pinsdorf – ging von Prof. Fellinger, Primar für Sinnes- und Sprachneurologie, aus. 1991 entstand in seiner Gehörlosenambulanz bei den Barmherzigen Brüdern die Idee für eine „Lebenswelt“, in der gehörlose und taubblinde Menschen mit zusätzlichen Beeinträchtigungen therapeutisch wohnen und arbeiten können. Prof. Fellinger und seine Familie stellten dafür das Gerstl-Haus in Schenkenfelden zur Verfügung. 1999 zogen dort die ersten Klienten ein.
Wie gut Pinsdorf Integration lebt
Sie haben sich in Pinsdorf schon gut eingelebt. Und die Pinsdorfer haben die zwölf Menschen, die in der Lebenswelt wohnen, und die bis zu acht zusätzlichen Kunden in der Tagesbetreuung sehr gut empfangen und leben vorbildlich Integration. Schon der vor Projektstart angebotene Kurs in Gebärdensprache war gut besucht. Auch in der Volksschule gibt es in zwei Klassen Unterricht in der Gebärdensprache.
olksschule, Lebenswelt und die ganze Gemeinde gehen aufeinander zu. Viele können einander schon gebärdend begrüßen. Für ein besonderes Projekt wurde nun die Volksschule mit dem „Bildungskristall 2013“ ausgezeichnet: Volksschüler und Klienten der Lebenswelt Pinsdorf haben gemeinsam ein Buch gestaltet, wobei die Geschichte von Bibbi & Bobbo auf einer Seite in Bildern und Texten erzählt und auf der anderen in Gebärdensprache übersetzt wird. (Wir werden das Buch bald genauer vorstellen.)
Was Gemeinschaft vermag
Die Morgenfreude setzt sich bei der Arbeit fort: Beim Töpfern und Korbflechten. Beim Arbeiten am Computer oder in der Küche. Und bei vielen anderen Tätigkeiten. Einer von den Bewohnern, Horst Oberndorfer, ist von Anfang an dabei. Erst in der Lebenswelt Schenkenfelden, nun in seiner Heimat Pinsdorf. An Horst wird deutlich, was gute Betreuung in einer aufmerksamen Umgebung kann: dass die Menschen an den eigenen Talenten wachsen, in die persönlichen Fähigkeiten vertrauen, mit technischen Hilfen hören und sprechen lernen. Alles schrittweise, mit großer Ausdauer, unterstützt auch von der Familie und den Experten wie die Lebenswelt-Mitarbeiter/innen oder Prof. Fellinger und Prof. van Dijk. Es wird erlebbar, was Prof. Fellinger meint: Menschen sind auf Gemeinschaft angelegt, dazu braucht es Kommunikation. Verstanden werden und verstehen sind Menschwerdungs-Merkmale.