BRIEF_KASTEN
Gerührt hat sich die heute 25-jährige Nigerianerin. Sie absolvierte die Ausbildung zur Altenfachbetreuerin mit ausgezeichnetem Erfolg. Aber als Asylwerberin darf sie nicht arbeiten, obwohl es Bedarf an Fachpersonal gäbe! Der jungen Nigerianerin bleibt nichts über, sie muss von 290 Euro Grundversorgung und von Spenden leben. Alleine fürs Wohnen muss sie 250 Euro zahlen. Wie sie dennoch fröhlich bleiben kann, frage ich sie, die beim Interview immer wieder lächelt: „Mit Gottes Hilfe", sagt sie.
Der Asyl-Richter zeichnet dagegen ein menschliches Bild vom Asylgerichtshof. Er erzählt berührende Beispiele, mit welchen Lasten, aber auch Listen sich Menschen um Asyl bewerben. Dabei nennt er sie nicht Asylwerber oder Asylsuchende, schon gar nicht Asylanten. Sie sind für ihn Asylbewerber. Er erzählt von einem armenischen Bauern, der als Christ in seiner Heimat den Boden unter den Füßen verloren hat. Und von einem Armenier aus Aserbeidschan, der sich mit Gewalt und mehreren Identitäten allen Fahndungen zu entziehen wusste. „Wir erleben es so und so, heiß und kalt, schwarz und weiß", sagt er. Da sei es eine Kunst, Recht zu sprechen. Eine Kunst, die auch Zeit in Anspruch nehme. Länder-Kenntnis sei erforderlich, um auch Hintergründe zu wissen. Insgesamt aber, betont Volker Nowak, werden die Asylverfahren rascher abgewickelt. Österreich sei auch an Zügigkeit interessiert.
Kommunalpolitik. In der Kommunalpolitik gibt es ein Informations-Defizit über die Flüchtlinge und die Rahmenbedingungen der Sozialarbeit mit Asylwerber/innen. Dies stellt Christian Schörkhuber von der Volkshilfe fest. Die Politiker und Gemeinden müssen eingebunden und die Bevölkerung informiert werden.
Quartiere. In Oberösterreich wird getrachtet, kleinere Flüchtlingsquartiere zu errichten – mit 20 bis 50 Plätzen. Derzeit gibt es 53 Asylwerber-Unterkünfte in 40 Gemeinden. Volkshilfe und Caritas werden im Herbst eine Info-Offensive starten.
Europa. Die Flüchtlings-Problematik spitzt sich zu und ist insgesamt katastrophal, sagt Prof. Weidenholzer. In Griechenland etwa leben 1,3 Millionen Asylwerber/innen und Zugewanderte irregulär, dazu kommen 600.000 Albaner. Griechenland hat elf Millionen Einwohner.BRIEF_KASTEN
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