Der Flüchtlingsstrom aus dem Bürgerkriegsland Syrien reißt nicht ab. Allein im Libanon haben mehr als eine Million Syrer Schutz vor den gewalttätigen Auseinandersetzungen in ihrer Heimat gesucht. Täglich kommen 10.000 weitere Flüchtlinge ins Land.
Der kleine Staat ist mit diesem Zustrom „völlig überfordert“, sagt Stefan Maier.
Verfallene Gebäude, leerstehende Garagen und Schulen, Hühnerställe, verschimmelte feuchte Kellerräume – alles, was vier Wände und ein Dach hat, wird von syrischen Flüchtlingen als Quartier verwendet. Eine siebenköpfige Familie aus Damaskus, die vor kurzem noch in ihrer Wohnung lebte, haust jetzt in einer Ruine; ohne Strom, ohne Wasser. Es ist gebirgig, es ist kalt in der Bekaa-Ebene im Osten des Libanon, wo sich ein großer Teil der oft traumatisierten syrischen Flüchtlinge, vor allem Kinder und Jugendliche, befindet. Und es kommen immer mehr. Der blutige Konflikt in Syrien, der im März 2011 begonnen hat, hält nach wie vor an und treibt verzweifelte Menschen zur Flucht.
Flüchtlingszustrom.
„Die Lage im Libanon ist dramatisch – das Schlimmste, was ich in 20 Jahren Caritasarbeit im Nahen Osten gesehen habe“, sagt Stefan Maier bestürzt. Der Nahostkoordinator der Caritas Österreich und Caritas-Salzburg-Auslandshilfechef ist wie so oft vor Ort und leistet Nothilfe für syrische Bürgerkriegsflüchtlinge. „Man muss sich vorstellen, der Libanon ist ein Land von der Größe Tirols mit vier Millionen Einheimischen und zwei Millionen Ausländern. Eine Million davon sind syrische Flüchtlinge. Die libanesische Regierung geht davon aus, dass sich diese Zahl bis Jahresende verdoppeln wird. Täglich kommen 10.000 weitere Syrer ins Land, das völlig überfordert ist.“
Verbot von Flüchtlingslagern.
Die Unterkunftsmöglichkeiten für Flüchtlinge werden immer knapper. Die Aufnahmebereitschaft der Libanesen ist erschöpft. Die libanesische Regierung untersagt indessen den Aufbau von Flüchtlingslagern. Der Grund dafür sind Erfahrungen mit den Palästinensern, die nach der Staatsgründung Israels 1948 vertrieben wurden und u. a. in den Libanon geflohen sind. „500.000 leben hier zum Teil in dritter, vierter Generation. Im Laufe der Zeit sind aus den Zeltlagern der Palästinenser befestigte Baracken und ganze Stadtviertel geworden. Sie vegetieren heute noch unter katastrophalen und diskriminierenden Umständen“, berichtet der Caritas-Mitarbeiter.
Nothilfe.
Um Wohnraum zu schaffen, haben syrische Flüchtlinge im Sommer 2012 aus Abfallmaterialien wie Holzgestellen, Jutesäcken und Plastikplanen erstmals selbst notdürftige Zelte aufgebaut. Dalhamieh heißt das provisorische Flüchtlingslager in der Bekaa-Ebene. Dort leben derzeit 170 Familien. Die Caritas führt hier ein Nothilfeprojekt durch, das mit Mitteln der ADA (Österreichische Entwicklungszusammenarbeit) gefördert wird. Die primitiven Zelte wurden mit Planen isoliert, Heizöfen und Coupons für Heizöl sind zur Verfügung gestellt worden. Derzeit werden Lebensmittelpakete, Hygienepakete, Gutscheine für Bekleidung, Decken und Matratzen verteilt. Vermehrt breiten sich Lungen-, Durchfall- und Hautkrankheiten wie Krätze aus. Eine mobile Klinik der Caritas Libanon ist im Einsatz und leistet basismedizinische Versorgung. „Momentan sind wir dabei, ein Erstaufnahmezentrum am Grenzübergang Masnaa einzurichten. Besonders verwundbare Flüchtlinge wie alleinreisende minderjährige Jugendliche, behinderte Menschen, schwangere Frauen und Mütter mit Kindern, sollen hier betreut und informiert werden.“
Caritas Spendenkonto: PSK 7.700.004, BLZ 60.000, Kennwort: Nothilfe Syrien