Am Marktplatz von Ottensheim bleibt eine Frau stehen und klatscht in die Hände. Ihr Applaus gilt neun Jugendlichen vom Verein „4 Yougend“. Sie machen sich, mit Schaufeln ausgerüstet, an Aufräumarbeiten.
Eigentlich war an diesem 6. Juni ein Büroausflug ins Innviertel geplant. Kurzentschlossen aber haben sie den Plan geändert, um hier bei den Hochwasser-Aufräumarbeiten mitzuhelfen.
So wie sie handeln in diesen Zeiten viele. Der Wasserflut folgt eine Flut der Hilfsbereitschaft. Menschen springen ein, packen an, helfen, dass Schlamm und Staub, vom Wasser zurück gelassen, rasch aus Kellern, Wohnungen, Häusern, Kirchen, Friedhöfen, Gärten und von öffentlichen Flächen weggeschafft werden.
Von der Pfarrgemeinde getrennt
Pfarrer Josef Pesendorfer schildert der KirchenZeitung, wie er das Zusammenhalten in seinen Pfarren Goldwörth und Feldkirchen erlebt hat. Noch am Sonntag, 2. Juni, feierte er mit den Goldwörthern Pfarrgottesdienst. Danach war schon die Rede vom Hochwasser. Als er am Nachmittag wieder nach Goldwörth fahren wollte, war die Straße gesperrt. Er musste umdrehen. „Von dieser Zeit an war meine Verbindung mit Goldwörth nur noch telefonisch. Ich konnte mir bisher gar nicht vorstellen“, schreibt er, „dass es mir so zu Herzen geht, dass ich nicht bei den Bewohnern meiner zweiten Pfarre in einer für sie so wichtigen und traurigen Zeit sein konnte. So war ich ihnen in diesen Tagen im Gebet besonders nahe.“ Als er dann am Mittwoch endlich nach Goldwörth fahren konnte, sah er das Ausmaß der Katastrophe und der Hilfsbereitschaft.
Nachbarschaftshilfe
„Groß war meine Freude, als ich Feldkirchner/innen und eine Gruppe aus St. Johann am Wimberg als Helfer/innen antraf“, sagt Pesendorfer. Schäden gab es an allen Gebäuden. Die große Nachbarschaftshilfe erlebt er beeindruckend. „So kam eine Frau, deren Haus nicht so sehr betroffen war, und bot sich an, den Pfarrsaal zu reinigen.“ Traurig machte ihn der Anblick des Friedhofes rund um die Kirche. „Die immer sehr schön gepflegten Gräber waren alle fuchtbar zugerichtet. Aber auch da begann man sofort mit möglichen Arbeiten.“
Zusammenhalt
Diese tatkräftige Unterstützung gab und gibt es tausendfach. So organisierte die Katholische Jugend Gallneukirchen, vor kurzem noch beim Pfingsttreffen in Schärding mit dabei, über Facebook eine Fahrt zum Hilfseinsatz nach Schärding. Der Elternverein des Bischöflichen Gymnasiums Petrinum organisierte Hilfe für Aufräumarbeiten. Dazu richtete er eine Börse ein: wer benötigt Hilfe / wer bietet Hilfe an? Der Caritas-Kindergarten Feldkirchen hatte am Samstag, 8. Juni, geöffnet, um für die Betroffenen und die freiwilligen Helfer/innen die Situation etwas zu erleichtern. Kindergarten-Pädagoginnen aus Feldkirchen und Goldwörth übernahmen die Betreuung. Im Pfarrhof Suben wurde ein 57-jähriger Mann mit seinen beiden Katzen aufgenommen, der in seine Wohnung in Schärding nicht zurückkehren konnte, weil sie total verschlammt und über Wochen hinweg feucht sein wird. Die Pinsdorfer Feuerwehr – und wie sie handelten viele Feuerwehrgruppen aus nicht vom Hochwasser betroffenen Gebieten – fuhren zum Einsatz nach Goldwörth. Als sich die Feuerwehrleute im Ort mit Lebensmitteln für die Jause versorgen wollten, haben ihnen Menschen, die das mitbekommen haben, den Einkauf bezahlt! In allen Orten unterstützen viele Freiwillige die Helfenden mit Essen.
Die Caritas hilft
Die Caritas hat regionale Hochwasserbüros eingerichtet. Caritas-Direktor Franz Kehrer, der als Ottensheimer selbst in einer schwerst betroffenen Gemeinde lebt, will Hilfe so nahe wie möglich anbieten. So wurden schon in Schärding, Ottensheim Eferding und Ebensee Hochwasserbüros eröffnet, weitere in den Bezirken Braunau und Perg folgen. Betroffene erhalten in den Büros Orientierung, Beratung und unkomplizierte Unterstützung durch eine finanzielle Soforthilfe zur Überbrückung der akuten Notsituation.
Bitten und sammeln
Schärding. Am 26. Juni wird in der Stadtpfarrkirche um 19.30 Uhr ein Gottesdienst gefeiert. Dazu sind alle Betroffenen des Hochwassers im Dekanat, alle Helfer/innen und Einsatzkräfte herzlich eingeladen.
Diözese Linz. Diözesanbischof Dr. Ludwig Schwarz, der am 6. Juni das Hochwasserbüro der Caritas in Ottensheim besuchte, bat um Gebet und finanzielle Hilfe. Für die Fürbitten und zur Kollekte hat das Liturgiereferat Textbausteine ausgearbeitet: „Wir bitten für die vielen Menschen, denen durch die Flut Schmerzen zugefügt wurden, die tief in die Seele reichen.... Wir beten für die tausenden von Helferinnen und Helfern...“
Katastrophenhilfe der Caritas:
RLB OÖ, BLZ 34.000, Kto.Nr. 1.245.000; Erste Bank, BLZ 20111, Kto.Nr. 012 34560; PSK, BLZ 60.000, Kto. Nr. 7.700.004 Hochwasserhilfe-Info auf der KirchenZeitungs-Website: www.kirchenzeitung.at/hochwasserhilfe