Nicht warten, bis die Menschen kommen, sondern nachdenken, was sie brauchen und zu ihnen gehen: das ist der Weg der Evangelischen Pfarrgemeinde Marchtrenk. Die Gemeinde lässt mit mutigen Projekten der „Diakonie“ – im katholischen ist das Wort „Caritas“ geläufiger – aufhorchen.
Die Bitte einer Frau aus der Gemeinde öffnete Fritz Wasmeier die Augen. Sie bat den Lektor und Diakon der evangelischen Pfarre Marchtrenk um einen Besuch im Psychiatrischen Krankenhaus Wels. Dabei fiel ihm zufällig auf, dass die Kantine des Spitals geschlossen war. Es findet sich kein Betreiber mehr, weil sie nicht wirtschaftlich zu führen ist, erklärte ihm der Sozialarbeiter des Hauses: Dabei wäre für viele Patienten ein Ort für das Plaudern und die Begegnung so wichtig. Die evangelische Gemeinde Marchtrenk sah in dieser Not ihren Auftrag und führt seit 8. Jänner 2013 mit Ehrenamtlichen das „Café in der Psychiatrie“. Anfangs hatte es einmal wöchentlich geöffenet, inzwischen schon zweimal.
Auch ein Angebot für Menschen, die um einen Verstorbenen trauern, hat die Pfarrgemeinde. Unter dem Slogan „Marchtrenker Trostpflaster“ begleitet Diakon Wasmeier eine Selbsthilfegruppe, steht für persönliche Gespräche zur Verfügung und vermittelt „handfeste Unterstützung“ für alle, die durch den Tod eines Angehörigen den Alltag nicht mehr bewältigen.
Marchtrenk ist ein Beispiel, wie Gemeinden ihren Auftrag zur Diakonie wahrnehmen, erklärt Gerold Lehner, Superintendent der evangelischen Kirche A.B. Oberösterreich: Das Jahr der Diakonie 2013 soll auf die oft stille, aber alltägliche Hilfe aufmerksam machen, die geschieht. Das Schwerpunktthema 2013 ist ein Schritt auf dem Weg zum Reformationsjubiläum 2017, das an 500 Jahre Thesenanschlag durch Martin Luther in Wittenberg erinnert. Katholische und evangelische Kirche verstehen dieses Gedenkjahr als ökumenische Herausforderung.