Der Altarraum wurde von Roland Kollnitz und Mary Fernety neu gestaltet. Sie verstehen die Kirche als Ort, der den Menschen aus der irdischen Welt emporhebt und ihm eine Vision des Himmlischen eröffnet.
- Dr. Martina Gelsinger, Kunstreferat der Diözese Linz
Die Welser Stadtpfarrkirche hat eine lange Geschichte, die beim Betreten des Kirchenraumes erfahrbar wird. Der Blick wandert entlang der massiven Pfeiler hinauf zum frühgotischen Kreuzrippengewölbe. Der Bau scheint vom Boden abzuheben. Auch die frühgotischen Glasgemälde im Chorschluss verweisen auf eine himmlische Sphäre: Sie erzählen die Geschichte der Kirchenpatrone, des Evangelisten und des Täufers Johannes. Im Rahmen der Neugestaltung des Altarraumes, die mit der feierlichen Altarweihe am 23. September ihren Abschluss fand, erhielt der Kirchenraum neue Blickachsen.
Vision des Himmels
Der in Wien lebende Bildhauer Roland Kollnitz und die in Gaspoltshofen beheimatete Malerin Mary Fernety setzen mit ihren künstlerischen Interventionen präzise Gesten in den Raum. Sie verstehen den Kirchenraum in seinen mittelalterlichen Grundstrukturen als Ort, der den Menschen aus der irdischen Welt emporhebt und ihm eine Vision des Himmlischen eröffnet. Mit den neuen liturgischen Objekten und den Farbpaneelen in der Apsis gelingt es den beiden, diese Gestaltungsprinzipien aufzugreifen, sie in die Gegenwart zu führen und dem Menschen und seinem Feiern im Raum eine neue Bedeutung zu geben.
Schwebende Wände
Die sechs Paneele von Mary Fernety sind mit Goldfarben in verschiedenen Mal- und Drucktechniken auf karminrotem Grund angefertigt und – scheinbar schwebend – von der Mauer abgehoben. Die Künstlerin führt damit die Fensterbahnen in den Raum weiter und gibt mit der Oberflächenwirkung und Farbigkeit ihrer Objekte den mittelalterlichen Glasfenstern einen neuen Stellenwert. Zugleich schafft die Künstlerin eine räumliche Anbindung an die liturgischen Orte.
Schnittstelle von Mensch und Gott.
Vier dünne Beinchen aus Edelstahl tragen die Altarplatte aus weißem Laaser Marmor. Altar, Ambo, Sedes, Altarkreuz und Osterkerzenständer gestaltete Roland Kollnitz. In ihrer feinsinnigen Zeichenhaftigkeit und Leichtfüßigkeit lotet jedes einzelne Objekt das Vertikale und Horizontale aus und trägt die bildhauerischen Grundprinzipien von Tragen und Lasten in sich. Die Objekte stehen in Bezug zum Raum und den darin handelnden Personen. Die liturgischen Orte werden auf ihren wesentlichen Symbolgehalt zurückgeführt. Die scheinbar schwebende Altarmensa ist sinnbildlich der Ort an der Schnittstelle von menschlichem Handeln und göttlicher Gegenwart. Der Ambo, mit einer schwebenden Auflagefläche, ist als Objekt ausgeführt, an dem die Lektor/innen auf der Antrittsfläche dem Volk Gottes entgegengehen, um seine Frohe Botschaft zu verkünden.