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Ein Licht für den Frieden

Jeder Mensch hat eine Berufung – davon ist Thomas Uhlig fest überzeugt. Seine ist außergewöhnlich: 30.000 Kilometer, davon 15.000 Kilometer zu Fuß, reiste er quer durch Europa um die vielen Gedenkstätten der Kriege zu besuchen.
Ausgabe: 2013/34, Pilgern, Israel, Uhlig, Asanger
21.08.2013
- Dagmar Giglleitner
Nach Oberösterreich kam er 2010 und traf Carmen Maria Asanger, die ihn immer wieder ein Stück begleitete. Das Endziel Jerusalem erreichten die beiden zu Pfingsten 2013 – ihr gemeinsamer Lebensweg fängt aber gerade erst an. Der Berliner und die Mühlviertlerin – so unterschiedlich wie ihre Herkunft ist die äußerliche Erscheinung: Carmen ist nicht klein, aber neben dem 2,10 Meter großen Thomas schaut sie sehr zierlich aus. Er ist hager, durchtrainiert; mit kahlem Kopf und kantigem Gesicht wirkt er verwegen und abenteuerlustig. Ihre Gesichtszüge sind dagegen sanft und das lange Haar reicht fast bis zur Taille. Genaueres Hinsehen zeigt jedoch, dass die Augen vom selben Leuchten erfüllt sind. Thomas und Carmen brennen für die gleiche Sache: Frieden in den Herzen, in den Häusern und Familien, Frieden im Heiligen Land.

Zufällige Begegnung?


Im Mai 2010 organisierte Carmen ein Friedensgebet für Israel. Genau zu dieser Zeit war Thomas in Linz und wurde auf die Veranstaltung aufmerksam. „Ich saß mit meiner Harfe im Altarraum und sang hebräische Lieder. Da ging plötzlich in der dunklen Kirche die Tür auf und dort stand ein Riese mit einer großen Kerze“, erzählt Carmen. Bei der Agape kamen die beiden ins Gespräch. Dass Thomas eine Kerze von Mauer zu Mauer, von Berlin ins Heilige Land, trage, um für den Frieden zu beten, sprach Carmen sofort an, da der Friede in Israel auch ihr Herzenswunsch ist. Spontan entschied sie sich, mit Thomas ein paar Tage mitzugehen, woraus ein intensiver Kontakt entstand. Carmen wurde sogar zu Thomas‘ Taufpatin. „Ich bin in Ostberlin atheistisch aufgewachsen. In meinem Familien- und Freundeskreis gibt es keine Katholiken. Es war ein Geschenk des Himmels, dass ich Carmen traf“, berichtet Thomas, wie gut sich alles fügte.

Schule des Reisens


Immer wieder nutzte Carmen ihre Urlaube, um Elijah Maria, wie sich Thomas seit der Taufe nennt, beim Pilgern zu begleiten. Miteinander auf dem Weg zu sein, gehört für die beiden zu den schönsten Erfahrungen: „Jesus hat seine Jünger nicht zufällig zu zweit in die Häuser geschickt. Das gemeinsame Reisen ist eine Schule, weil man in gewisser Weise voneinander abhängig und aufeinander angewiesen ist. Dabei ist es wichtig, auf Konflikte hinzuschauen. Sie sind ein wichtiger Motor, wenn man sie – im wahrsten Sinne des Wortes – angeht. Dann kann ganz viel positive Energie frei werden“, erklärt Carmen Maria. Und Elijah ergänzt: „Wenn man als Paar die Prüfungen so eines gemeinsamen Weges besteht, dann wird man sehr wahrscheinlich auch alles andere schaffen!“

Kerzen auf den Gräbern


Auf seiner Reise hat Elijah Maria viele Orte besucht, an denen sich Menschen unverstellbare Grausamkeiten antaten. Aber gerade dort fühlte er sich oft dem Licht besonders nahe: „Auschwitz ist für mich ein Ort des Friedens, an dem Gott stark gegenwärtig ist und zu uns spricht.“ Elijah besuchte aber nicht nur Gedenkstätten, sondern brachte auch Licht in viele Häuser, in denen ihm Unterkunft gewährt wurde. Er erzählt von einem Fischer an der ­bosnisch-kroatischen Grenze, dessen eine Tochter im Krieg starb und dessen andere Tochter gelähmt ist, weil eine Bombe direkt im Haus explodierte. „Es passierte immer wieder, dass ich bei einer Familie übernachtete und am nächsten Tag Kerzen zu den Gräbern der Verwandten trug.“ Manchmal ließ der Berliner die Friedenskerze auch bei den Familien. Nach wie vor bekommt er ­dankende Briefe, in denen die Menschen erzählen, dass die Kerze noch immer brenne.

Friede beginnt im eigenen Herz


Jerusalem ist für Carmen Asanger und Thomas-Elijah Uhlig nicht nur ein Ort in Israel, sondern auch Symbol für das Ankommen im eigenen Herzen: Friede in Israel und Friede in den Häusern und Familien sowie Friede in der Gegenwart Gottes ist eng miteinander verknüpft. Nach der vierjährigen Pilgerreise wollen die beiden deshalb ein Zentrum für Jugendliche in schwierigen Lebenssituationen aufbauen. Fern vom Alltag, auf einem Mühlviertler Bauernhof (der allerdings noch gefunden werden muss), sollen diese eine Chance zum Neuanfang bekommen. „Um den Nächsten lieben zu können, muss ich zuerst mit mir selber im Einklang sein“, meint Elijah. „Wie können sich zwei Herzen treffen, wenn ich meinem eigenen nicht begegnen kann?“
www.jerusalem-ruft-frieden.org
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