Früher gab es wahre Meister beim Verfassen von Liebesbriefen, einige sind sogar in die Weltliteratur eingegangen. Mag die blumige Sprache auch nicht mehr zeitgemäß sein, ihre Worte haben etwas Intimes. Im Licht ihrer Romantik nehmen sich moderne Kommunikationsformen kalt und steril aus.
„Mein Engel, mein alles, mein Ich“ – man kann über Beethovens Romantik lächeln. Aber es sind Formulierungen, bei denen man ahnt, dass sie dem – meist männlichen – Schreiber wirklich aus dem Herzen gekommen sind. Liest man die oft seitenlangen Briefe, kann man in die Situation der Liebenden richtig eintauchen. Sie wohnten Tagesreisen entfernt oder durften sich aufgrund gesellschaftlicher Normen nur heimlich treffen. Die Briefe erzählen Geschichten von schüchternen Annäherungen, ersten Blicken, aufkeimender Leidenschaft, schmerzenden Zurückweisungen und traurigem Abschied. Gefühle wie Sehnsucht, Eifersucht und Schmerz wurden in langen Sätzen ausführlich zu Papier gebracht. Und nicht immer nahm das schriftliche Werben um die Gunst der Angebeteten ein glückliches Ende.
Herzschmerz von heute
Dass unerfüllte Liebe und unerwiderte Zuneigung auch heute noch weh tun, erfährt man nicht mehr aus Briefen. In der virtuellen Welt von Twitter, Facebook und anderen Anbietern stolpert man förmlich über verletzte Seelen, mehr oder weniger peinlich, aber auch für Unbeteiligte ganz öffentlich und manchmal sogar erschütternd. Getröstet wird ebenso unpersönlich mit: „Gefällt mir.“
Schreiben nach Vorlagen
Abgesehen davon, dass heutzutage kaum noch Liebesbriefe verfasst werden, nimmt man sich auch nur wenig Zeit dafür. Wer sucht noch ein schönes Papier aus, nimmt die Füllfeder und schreibt mit der Hand? Wenn schon, dann wird der Brief „getextet“, am Computer. Und wer es auf die Schnelle nicht so mit der Fantasie hat, findet im Internet eine Vielfalt an Formulierungen. Kopieren und einfügen, fertig ist der Liebesbrief. Verschickt wird einfacherweise via E-Mail. Noch unpersönlicher und schneller ist die Kurzmitteilung via Handy. Ein einfaches „hdl“ und die Sache ist geritzt. Das Mädel aus der Schule, der Bursch aus dem Bus ist darüber informiert: „Hab dich lieb!“
Geschummelt wurde schon immer
Zurück zu den nostalgischen Liebesschwüren. Manchen Verliebten fiel es nicht nur schwer, die Angebetete anzusprechen. Auch die Leidenschaft in Briefen zu formulieren konnte nicht jeder. Ein bekanntes Beispiel für einen Liebesbriefschreiber im Namen eines anderen – heute würde man „Ghostwriter“ dazu sagen – war Cyrano de Bergerac. Verspottet wegen seiner langen Nase, aber verliebt in seine Cousine Roxanne, lieh er dem Nebenbuhler seine poetische Gabe.
Auch Frauen schrieben von Feuer und Zärtlichkeit
Nicht nur Männer konnten Liebesbriefe voll Sehnsucht schreiben, Texte von George Sand, Juliette Drouet oder Edith Piaf sind Beispiele. Und auch Christiane Vulpius schrieb ihrem Mann, Johann Wolfgang von Goethe, Liebesbriefe: „Leb recht wohl und behalte mich recht lieb, ich liebe Dich unaussprechlich. Gehe ja nicht in Krieg und denke an mich. Adieu, mein Bester.“
So mancher Liebesbrief war der erste Schritt in eine glückliche Ehe. Mehr zum Thema Heiraten und Hochzeitsjubiläen.