In der Reihe Kunst & Geschichte_n stellt Experte Lothar Schultes Persönlichkeiten vor, die in Kunst und Geschichte wichtige Spuren in Oberösterreich hinterlassen haben.
Die abschlossene Reihe "alt & kostbar" finden sie hier.
Der Umgang mit dem unvollendeten Finale ist eine „Glaubensfrage“: Spielt man – wie es meist der Fall ist – ausschließlich die drei fertigen Sätze, spielt man auch Fragmente oder spielt man eine von anderen komplettierte Fassung? Ballot hat sich für den Mittelweg entschieden, was die Möglichkeit bietet, etwas „analytisch“ an diese Musik heranzugehen.
Damit zu tun hat auch die zweite „Glaubensfrage“ bei Bruckner Symphonien: das Tempo. In der Tradition seines Lehrers Sergiu Celibidache setzt Ballot auf Gemessenheit statt Geschwindigkeit. Der Vorteil ist, dass man „mehr“ hört: Der Klang wird zur Partitur hin transparent, es geht kaum ein Ton, kaum eine Figur unter. Das funktioniert auch in der vorliegenden Einspielung (Liveaufnahmen von den St. Florianer Brucknertagen aus dem August 2024) ausgezeichnet und passt gut zur schwierigen Akkustik der Stiftskirche. Ungewohnt ist das langsame Tempo jedoch vor allem in den betont rhythmischen Teilen des Scherzos. Nicht jeder und jedem wird das zusagen. Im Gesamten leistet die CD, verbunden mit einem gut geschriebenen Einführungstext, Beachtliches für das Verständnis dieser mystischen Musik, die auch Bruckners Gefühle angesichts seiner Endlichkeit ausdrückt.
Altomonte-Orchester St. Florian, Rémy Ballot (Dirigent): Anton Bruckner, Symphonie IX mit Finale-Fragmenten. Gramola
In der Reihe Kunst & Geschichte_n stellt Experte Lothar Schultes Persönlichkeiten vor, die in Kunst und Geschichte wichtige Spuren in Oberösterreich hinterlassen haben.
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