Sozialratgeber

Download hier >> oder Sozialratgeber KOSTENLOS bestellen unter office@kirchenzeitung.at oder telefonisch: 0732 / 7610 3944.
Salafismus ist eine streng konservative Strömung innerhalb des sunnitischen Islams. Salafistische Radikalisierung ist aber oft kein theologisches Problem, sondern das Symptom einer tiefen Identitäts- und Zugehörigkeitskrise von jungen Menschen, ist die zentrale Erkenntnis von Expert:innen aus Wissenschaft, Schule und Staatsschutz.
Islamwissenschaftler Rüdiger Lohlker (Universität Wien) warnte vor emotionaler „Drohpädagogik“ und professioneller Ästhetik. Prediger fangen Jugendliche nämlich dort ab, wo sie sich allein gelassen fühlen.
Dass es dabei primär um soziale Bedürfnisse geht, bestätigte auch Clemens Lach von der Landespolizeidirektion OÖ (Landesamt für Staatsschutz): „Es geht weniger um theologische Tiefe, sondern um das Bedürfnis nach Gemeinschaft.“ Prävention hat absolute Priorität. Das könne nur durch Zusammenarbeit von Exekutive, Schule und Zivilgesellschaft gelingen.
Masooda Bano von der Universität Oxford warnte vor der Gleichsetzung von konservativem Verhalten (wie z. B. das Tragen eines Kopftuchs oder das Ablehnen bestimmter westlicher Lebensstile) mit Radikalisierung, wie es bei bei staatlichen Präventionsprogrammen oft der Fall sei. So verliere man den Kontakt zur Lebenswelt der Jugendlichen. Das stigmatisiere die Jugendlichen und es erschwere die pädagogische Arbeit, da Lehrer:innen zu „Kontrollorganen“ von religiösem Lifestyle werden, statt tieferliegende Bedürfnisse nach Zugehörigkeit zu adressieren. Schließlich sei sozialer Konservatismus nicht zwingend eine Vorstufe zur Gewalt, sondern eine bewusste Identitätswahl. Nur eine sehr kleine Gruppe befürworte physische Gewalt.
Die Oxford-Professorin plädierte dafür, Jugendliche nicht als passive Opfer von Ideologie zu sehen, sondern als aktive Suchende, die dort landen, wo ihnen die überzeugendste Gemeinschaft und die klarste Identität geboten wird. Prävention müsse daher “bessere” Angebote der Zugehörigkeit schaffen – auch besonders in den Schulen.
Margareta Wetchy (Violence Prevention Network Berlin) beleuchtete die Rolle von Influencerinnen. Während Männer oft über Machtmotive angesprochen werden, funktioniere die Manipulation bei Mädchen häufig über Angst und die Abwertung des diesseitigen Lebens. „Wenn eine 16-Jährige sagt, ihr Leben hier sei ihr egal, ist das ein Alarmsignal für die pädagogische Praxis“, so Wetchy.
Die Tagung machte deutlich: Prävention gelingt nicht bloß durch Verbote, sondern durch eine starke pädagogische Beziehungsarbeit.
Sozialratgeber

Download hier >> oder Sozialratgeber KOSTENLOS bestellen unter office@kirchenzeitung.at oder telefonisch: 0732 / 7610 3944.
Erfahrungen aus dem Alltag mit einem autistischen Jungen >>
Jetzt die KIRCHENZEITUNG 4 Wochen lang kostenlos kennen lernen. Abo endet automatisch. >>