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Die Wege des Wassers

GESELLSCHAFT_SOZIALES

In Oberösterreich werden teils sehr niedrige Grundwasserstände verzeichnet. Viele Faktoren spielen hier zusammen, doch trotz unsicherer Prognose bestehe noch kein Grund zur Sorge, sagen Experten.
 

Ausgabe: 04/2026
20.01.2026
- Lisa-Maria Hammerl
Die Grundwasserstände sind derzeit niedrig, dennoch hat Oberösterreich grundsätzlich große Reserven.
Die Grundwasserstände sind derzeit niedrig, dennoch hat Oberösterreich grundsätzlich große Reserven.
© Rostovdriver / Adobe Stock

Der Hauptgrund für die unterdurchschnittlichen Grundwasserstände in Oberösterreich ist der geringe Niederschlag im Jahr 2025, der nur bei 79 Prozent lag. „Normalerweise hat es in Oberösterreich in der letzten 30-Jahre-Zeitreihe (1991–2020, Anm.) durchschnittlich 1.000 Liter auf den Quadratmeter geregnet“, erklärt Thomas Peneder vom Hydrographischen Dienst Oberösterreich. „Letztes Jahr waren es um die 830 Milliliter im Durchschnitt, also etwa ein Fünftel weniger.“

 

Neben der Niederschlagsmenge wirken noch weitere Faktoren auf die Grundwasserstände, wie die geologischen Gegebenheiten, die sogenannte „Überdeckung“, also wie weit das Wasser bis zum Grundwasser hinuntersickern muss, die Art und Größe des „Grundwasserkörpers“, die Vegetation oder auch die Jahreszeiten.

 

Niedrige Stände jetzt normal


In den kälteren Jahreszeiten sind niedrige Grundwasserstände nichts Ungewöhnliches: „Wenn es keine besonderen Vorkommnisse gibt – kein Hochwasser, keine längeren Trockenperioden –, dann hat man immer im Herbst und Winter die niedrigsten Stände“, sagt Peneder.

 

Extremwetterereignisse wie etwa Hochwasser in Niederösterreich im Jahr 2024 bringen die natürliche Charakteristik durcheinander. Oberösterreich sei damals noch mit einem blauen Auge davongekommen, doch die starken und langen Regenfälle haben dennoch für extrem hohe Grundwasserstände gesorgt. Derzeit sei Oberösterreich jedoch „hinten nach“, etwa 20 Prozent der Niederschlagsmenge fehlten, speziell im Innviertel fehlten gar etwa 25–30 Prozent. Dort gebe es viele, die sich über eigene Brunnen selbst versorgen; diese seien etwa im trockenen Sommer 2019 an ihre Grenzen gestoßen, wodurch viele nachgebohrt haben. 

 

Langfristige Auswirkungen


Da es um komplexe Zusammenhänge geht, lässt sich nur schwer einschätzen, wann die Grundwasserstände wieder steigen, sagt Peneder. Es gelte abzuwarten. „Wenn es eine längere trockene Phase gibt, kann es natürlich wieder zu Problemen kommen. Aber davon würde ich jetzt noch nicht reden. Wenn noch mehr Schnee fällt und im Frühjahr längere Landregen kommen, werden sich die Grundwasserstände wieder nach oben orientieren.“ Wie man mit wiederkehrenden oder dauerhaft niedrigen Wasserständen umgehen kann, weiß Christian Kneidinger, Leiter der Gruppe Trinkwasser und Abwasser beim Land Oberösterreich. „Wichtig ist, dass jeder Wasserversorger versucht, mehrere Standbeine zu haben. Dazu gehört, dass es neben einer Quelle einen Brunnen gibt, oder auch eine Verbindung zu einer Nachbarversorgung, die wasserrechtlich bewilligt ist.“ Zudem können Sparmaßnahmen helfen, indem etwa Außenanwendungen eingeschränkt werden, wie Gartenbewässerung, Autowaschen oder das Befüllen des Pools. Wenn das nicht mehr hilft, kann teilweise eine Fremdversorgung erfolgen, etwa über Nutzwasserlieferungen der Feuerwehr (so geschehen 2003, 2015, 2018). 

 

Trinkwassersicherungsplan


Auch Kneidinger sagt, es sei nicht leicht vorherzusagen, wie groß die Wasserressourcen in Zukunft sein werden: „Extremwetterereignisse nehmen tendenziell zu, es regnet zu viel oder zu wenig. Trockenperioden werden länger – das macht auch den Grundwasservorkommen zu schaffen.“

 

Untätig zugeschaut wird dennoch nicht: Im Rahmen der Wasserschatzstudie Österreich wurden zwei Klimaszenarien entwickelt. „Dabei kam heraus, dass die grundsätzlichen Grundwasserressourcen in Oberösterreich bis ins Jahr 2050 im ungünstigen Szenario um bis zu 20–23 Prozent sinken können“, erklärt Kneidinger. „Aber dadurch, dass wir in Oberösterreich in einer meteorologisch betrachtet nicht so ungünstigen Situation sind, haben wir auch relativ große Grundwasserreserven.“ Dennoch sollten (speziell im Mühlviertel oder in der Flyschzone im Alpenvorland) die oben erwähnten Standbeine etabliert und Notversorgungspläne entwickelt werden, um in trockenen Zeiten gut wirtschaften zu können. Anhand der Wasserschatzstudie und weiterer Studien ist auch ein Trinkwassersicherungsplan des Bundes in Zusammenarbeit mit den Ländern entstanden, in dem verschiedene Maßnahmen zur Trinkwassersicherung aufgeführt sind. 

 

Weiterführende Infos: 
www.bmluk.gv.at/themen/wasser/nutzung-wasser/wasserschatz-oesterreichs-studie

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