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Der Bischofshof im Visier der Nazis

Gesellschaft & Soziales

Dem Linzer Bischofshof als Zentrale der Diözese galt auch ein zentrales Interesse der Nationalsozialisten. Eine Gedenkveranstaltung erinnerte an die Bischöfe Gföllner und Fließer sowie an ihre Mitarbeiter, die im Visier der Gestapo standen. 
 

Ausgabe: 48/2018
27.11.2018
- Josef Wallner
Bischofsvikar Willi Vieböck berichtete über seinen Onkel Prälat Franz Vieböck, dem Leiter des 1939 neu errichteten Seelsorgeamtes.
Bischofsvikar Willi Vieböck berichtete über seinen Onkel Prälat Franz Vieböck, dem Leiter des 1939 neu errichteten Seelsorgeamtes.
© Diözese/Affenzeller

Felix Kern war verzweifelt. Der Vater von sechs Kindern wurde im April 1939 zwar aus dem Konzentrationslager Dachau entlassen, gleichzeitig teilten ihm die nationalsozialistischen Machthaber aber mit, dass es für ihn weder in der Verwaltung noch in der Privatwirtschaft einen Job geben wird. Von 1929 bis 1938 war er in Oberösterreich Landesrat gewesen – kompetent und angesehen über die Parteigrenzen hinweg, nun steht er vor dem Nichts. Bischof Johannes Maria Gföllner fängt ihn auf und stellt ihn in der Diözesanfinanzkammer als Bau- und Rechtsreferenten ein. Kern kann seine Familie damit so recht und schlecht durch die Kriegszeit bringen. Er ist einer von acht Persönlichkeiten, deren Lebensgeschichten am 22. November 2018 im Festsaal des Bischofshofs präsentiert wurden. 


Ebenso in die Fänge der Gestapo wie Kern gerät Ferdinand Weinberger. Er ist Kanzleidirektor des Ordinariats und als Zeremoniär ständiger Begleiter von Bischof Gföllner. Von diesem wird er auch immer wieder zu Verhandlungen mit Gauleitung und Gestapo geschickt. Im November 1940 wird Weinberger völlig überraschend wegen Mitwisserschaft der Vorbereitung zum Hochverrat von der Gestapo verhaftet. Sein Vergehen: Er hatte die Wilheringer Patres vor einer Hausdurchsuchung gewarnt. Bis zum Juli 1944 ist Weinberger in Haft. Er kehrt ins Ordinariat zurück und wird 1953 zum Generalvikar ernannt. Er hat das Amt bis 1973 inne.

 

Neben Kern und Weinberger wurden Ludwig Kneidinger, Franz Vieböck, die Bischöfe Johannes Maria Gföllner und Josephus Calasanz Fließer sowie die Sekretäre Franz Ohnmacht und Ferdinand Klostermann vorgestellt. Der Menschen zu gedenken, die im Ordinariat gearbeitet und sich dafür eingesetzt haben, dass das Recht und die Gerechtigkeit nicht gänzlich zerbrochen sind, ist die Absicht dieses Kurzsymposiums, erklärte Bischofsvikar Johann Hintermaier, der die Veranstaltung moderierte. „Räume haben ihre Geschichte, Orte haben ihre Botschaft, auch wenn sie physikalisch nicht messbar ist“, betonte Bischof Manfred Scheuer im Blick auf den Bischofshof, der ein Zentrum der Auseinanderstzung mit dem Nationalsozialismus war. 

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