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Wo warst du, Mensch?

Gesellschaft & Soziales

150 Oberösterreicher/innen begleiteten die ökumenische Gedenkfahrt nach Dachau. Am 8. April findet ein weiteres Gedenken in Dachau statt.

Ausgabe: 2018/12
20.03.2018
- Matthäus Fellinger
© Diözese Linz/Kraml (2)

Es dauerte lange, bis Schauspieler Franz Froschauer 200 jener fast 1000 Namen, die in der letzten Ausgabe der KirchenZeitung dokumentiert wurden, verlesen hatte. In der evangelischen Versöhnungskirche von Dachau waren dies berührende Momente. Ein paar Sekunden für jeden – was ist das für die Tage und Jahre, die viele als Häftlinge in Dachau zubringen mussten? 
150 Personen nahmen an der ökumenischen Gedenkfahrt am 13. März nach Dachau teil. Klaus Schultz von der evangelischen Gedenkstätten-Seelsorge führt eine der vier Gruppen  durch die Stätte. Der Schubraum, in dem sie angekommen sind. Die Dusch­anlage, in der sie auch im Winter bei offenen Fenstern und Türen kalt duschen mussten. Die Wohnbaracken. Gegen Ende des Krieges waren bis 2000 Gefangene in eine Baracke gepfercht. Der riesige Appellplatz, auf dem sie täglich am Morgen und nach der Rückkehr von der Arbeit gezählt wurden, oft stundenlang. 30.000 Männer waren das. „Es ist immer noch unsere ­Geschichte“, sagt Superintendent Gerold Lehner in der evangelischen Versöhnungskirche: „Im Erinnern lassen wir etwas in uns ein, das uns unruhig macht, verwirrt und ängstet.“ Landeshauptmann a.D. Josef Pühringer erinnert, „dass hier Menschen nicht nur zu Opfern geworden sind, sondern auch zu Tätern, die aus der Mitte der Gesellschaft kamen“. 

 

„So berge sie doch du, Gott des Erbarmens“, heißt es im Gedenkgebet an die Toten, das die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde Linz, Charlotte Herman, in der jüdischen Gedenkstätte betete.
Zum Abschluss versammelten sich alle in der Klosterkirche der Karmelitinnen. Bischof Manfred Scheuer leitete die Eucharistiefeier mit dem Dachauer-Kelch, der einst in der Lagerkapelle verwendet wurde. 
Der Bischof ging auf die Frage ein, die angesichts des unfassbaren Leids sich Menschen stellen: „Wo warst du, Gott, als Frauen und Kinder, alte und junge Leute ermordet und in die Todeskammern geschickt wurden?“ Diese Frage, so der Bischof, richte sich ­immer auch an die Menschen selbst: „Wo war der Mensch – und wo die Menschlichkeit –, als unseren Brüdern und Schwestern so Furchtbares zugefügt wurde? « 

 

Gedenken auch am 8. April 2018 in Dachau: Anlässlich der Ankunft des ersten Transportes von Dachau-Häftlingen aus Österreich am 2. April 1938 leiten Bischof Michael Bünker und Bischof em. Maximilian Aichern am Sonntag, 8. April 2018, 11 Uhr, in der Dachauer Versöhnungskirche einen Gottesdienst. Anmeldung: renate.bauinger@aon.at oder Tel. 0699/18 87 74 10.

Vor der Trost-Christi-Kapelle in der Gedenkstätte Dachau. Vom Turm aus ruft täglich um 14.50 Uhr die Glocke zum Gedenken.
Vor der Trost-Christi-Kapelle in der Gedenkstätte Dachau. Vom Turm aus ruft täglich um 14.50 Uhr die Glocke zum Gedenken.
© Diözese Linz/Kraml (2)
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