Maria Fischer studierte Theologie und Philosophie. Sie ist Pastoralvorständin der Pfarre TraunerLand in der Diözese Linz.
Bischof Manfred Scheuer sagte während einer Pressekonferenz am Dienstag, dass rund 350 Millionen von insgesamt 2,3 Milliarden Christinnen und Christen in einem extremen oder sehr hohen Maß daran gehindert werden, ihren Glauben frei auszuüben. Damit sei das Christentum die am stärksten verfolgte Religion der Welt. „Christenverfolgung zeigt sich nicht nur in offener Gewalt wie Mord, Entführungen oder Anschlägen“, betonte Scheuer. „Sie äußert sich auch in einem dauerhaften Druck im Alltag von Gläubigen – etwa durch Diskriminierung im gesellschaftlichen Leben, Einschränkungen der Religionsfreiheit oder staatliche Kontrolle kirchlicher Aktivitäten.“
Besonders dramatisch sei die Lage in Teilen Afrikas, des Nahen Ostens und Asiens, sagte Scheuer. Er wies zudem darauf hin, dass Christenverfolgung kein ausschließlich religiös motiviertes Phänomen sei. „Oft spielen politische Konflikte, ideologische Radikalisierung oder autoritäre Regime eine entscheidende Rolle“, erklärte der Bischof.
Der frühere Landeshauptmann Josef Pühringer erinnerte daran, dass Papst Franziskus dazu aufgerufen hatte, den fünften Fastensonntag (früher Passions- oder Leidenssonntag) als Gebetstag für verfolgte Christinnen und Christen zu begehen. Pühringer ist Vorsitzender der Sektion Linz der Stiftung „Pro Oriente“. Deren Aufgabe ist der Dialog zwischen den christlichen Kirchen. Dazu gehören auch Ostkirchen, die besonders der Verfolgung und Diskriminierung ausgesetzt sind. „Bedrückend sind nicht nur die Fakten der Christenverfolgung selbst, sondern auch die Reaktionen vieler demokratischer Staaten. In den letzten Jahren wurde die Verfolgung von Mitchristen kaum thematisiert“, kritisierte Pühringer und fuhr fort: „Wir nehmen diese Christenverfolgung oft einfach zur Kenntnis. Eigentlich ist das ein Skandal – aber einer, der nicht schreit.“
„In vielen Ländern des Nahen Ostens leben Christen als Minderheit. Je nach politischer Lage erleben sie Benachteiligung, Diskriminierung oder in extremen Fällen sogar Verfolgung“, erklärte Slawomir Dadas. Er ist Generalsekretär der „Initiative Christlicher Orient“ (ICO). Gleichzeitig betonte Dadas, dass eine differenzierte Betrachtung wichtig sei: „Nicht jede Christin und jeder Christ in einem islamisch geprägten Land ist automatisch verfolgt. Wir unterscheiden bewusst zwischen Benachteiligung, Diskriminierung und tatsächlicher Verfolgung, um gezielt helfen zu können.“
Die ICO konzentriert ihre Arbeit darauf, besonders verletzliche Menschen und Gemeinschaften zu unterstützen – etwa in der Region Tur Abdin in der Südosttürkei, in der Autonomen Region Kurdistan im Irak oder in Syrien und im Libanon. „Unser Anliegen ist nicht politische Konfrontation, sondern konkrete Hilfe“, betonte Dadas und sagte: „Wir möchten möglichst viele Menschen motivieren, unsere Schwestern und Brüder im Glauben zu unterstützen und ihnen eine faire Lebenschance zu ermöglichen.“
Aber wie sieht die Verfolgung und Diskriminierung von Christen aus? Zur Analyse der Situation wird zwischen zwei grundlegenden Formen unterschieden: konstanter gesellschaftlicher Druck und offene Gewalt. Während Gewalttaten wie Mord, Entführung oder Zerstörung von Kirchen relativ klar dokumentiert werden können, ist der dauerhafte Druck im Alltag oft schwerer messbar. Er zeigt sich in verschiedenen Lebensbereichen wie dem Privat- und Familienleben, der gesellschaftlichen Teilhabe, im und gegenüber dem Staat und bei der konkreten Religionsausübung.
Laut den bei der Pressekonferenz genannten Zahlen findet in elf Ländern Christenverfolgung in extremem Ausmaß statt, in weiteren 44 Ländern mit einem sehr hohen Maß an Einschränkungen. Ein besonders furchtbares Beispiel ist Nigeria. Dort wurden im Jahr 2024/25 rund 80 Prozent aller weltweit dokumentierten Morde an Christen verzeichnet – über 4.600 Todesopfer. Besonders im Norden des Landes, wo in vielen Bundesstaaten die Scharia gilt, kommt es zu Angriffen durch islamistische Gruppen.
Auch in anderen Ländern der Region – etwa Burkina Faso oder der Demokratischen Republik Kongo – verschärft sich die Situation.
Eine weitere Konfliktzone reicht vom Iran über Afghanistan und Pakistan bis nach Indien. Im Iran werden christliche Minderheiten zwar teilweise geduldet, doch Konversion vom Islam zum Christentum kann mit dem Tod bestraft werden. In Afghanistan hat sich die Situation nach der Machtübernahme der Taliban im Jahr 2021 dramatisch verschlechtert. Ein öffentliches Bekenntnis zum Christentum wäre dort lebensgefährlich.
Auch in Lateinamerika gibt es Christenverfolgung, jedoch mit anderem Hintergrund: In Ländern wie Kolumbien und Mexiko geraten vor allem kirchliche Vertreter ins Visier krimineller Gruppen und Drogenkartelle, wenn sie sich öffentlich gegen Gewalt, Korruption oder Drogenhandel aussprechen und für Menschenrechte eintreten. Mehrere Priester wurden in den letzten Jahren ermordet.In Nicaragua ist die Kirche zunehmend Ziel staatlicher Repression.

Maria Fischer studierte Theologie und Philosophie. Sie ist Pastoralvorständin der Pfarre TraunerLand in der Diözese Linz.
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