Reinhard Macht ist ehrenamtlicher Diakon im SR Jenbach-Münster-Wiesing und Gemeindeberater in der Diözese Innsbruck.
Die ältere Frau hat ihren Mann bis zu seinem Tod gepflegt. In der Trauerphase ist sie krank geworden. Nun liegt sie im Krankenhaus und sagt: „Ich habe auf mich selbst vergessen.“ – Gespräche wie diese führt Karin Hartmann oft. Die hauptamtliche Seelsorgerin arbeitet gemeinsam mit einem ehrenamtlichen Team im Landeskrankenhaus Freistadt. Um die zehntausend Menschen kommen jährlich stationär hierher. Drei Tage in der Woche besuchen die Seelsorger/innen Patientinnen und Patienten in ihren Zimmern. Wenn diese es wollen, bleiben sie für ein Gespräch. „In der Not sind die Menschen offen“, sagt Karin Hartmann, „wir suchen tragfähige Worte, die sie unterstützen.“ Wenn das Vertrauen da ist, fragen die Seelsorgenden nach, ob der Glaube hilft. Die Kommunion wird gerne angenommen. Das Pflegepersonal nimmt Wünsche auf und leitet sie weiter an die Kommunionspender/innen. Das ist eines der Beispiele für die gute Zusammenarbeit zwischen dem Pflegepersonal und den Seelsorger/innen. Karin Hartmann ist dankbar, dass Seelsorge einen „guten Boden“ im Freistädter Krankenhaus hat. Darauf gedeihen die Christmette, Gedenkfeiern für Verstorbene oder das Begräbnis für sogenannte Sternenkinder (siehe Randspalte). Aber auch die „Seelsorge ohne Sprache“.
Die Intensivstation ist ein Grenzort zwischen Leben und Tod, sagt Karin Hartmann. Den Menschen im komatösen Zustand widmet sie ihre besondere Aufmerksamkeit. Auch wenn sie bewußtlos sind, können sie unter Umständen hören oder Berührungen wahrnehmen. Zwei Jahre lang hat sich die Theologin in der nonverbalen Seelsorge ausbilden lassen. Nun hält sie selbst Kurse für diese „Aufmerksamkeitsschulung“. Sie ist in den Krankenhäusern noch wenig verbreitet, hilft aber auch den Angehörigen, ihr Ohnmachtsgefühl zu überwinden. Das Krankenhaus ist ein Ort mit professionellen Berufen, sagt Karin Hartmann: „Die Seelsorge muss es auch sein.“
Abschied am Beginn des Lebens
„Sternenkinder“ ist einer der Namen für Kinder, die während der Schwangerschaft oder kurz nach ihrer Geburt gestorben sind. Seit drei Jahren gibt es auf dem Freistädter Friedhof einen Gedenkort. Im letzten Jahr wurde er erweitert zu einem konfessionsneutralen Gemeinschaftsgrab für nicht-bestattungspflichtige Kinder (unter 500 Gramm). Zwei Mal im Jahr findet eine Bestattung statt.
Nächste Verabschiedung und Beisetzung: Freitag, 5. Oktober, 15 Uhr.

Reinhard Macht ist ehrenamtlicher Diakon im SR Jenbach-Münster-Wiesing und Gemeindeberater in der Diözese Innsbruck.
Turmeremitin Birgit Kubik berichtet über ihre Woche in der Türmerstube hoch oben im Mariendom Linz >>

Die KIRCHENZEITUNG bietet vielfältige Angebote für Pfarren:
Jetzt die KIRCHENZEITUNG 4 Wochen lang kostenlos kennen lernen. Abo endet automatisch. >>