Reinhard Macht ist ehrenamtlicher Diakon im SR Jenbach-Münster-Wiesing und Gemeindeberater in der Diözese Innsbruck.
Der Vorschlag der Diözesanleitung, wie künftig die Strukturen der Seelsorge aussehen sollen, ist natürlich Thema Nummer eins, wenn man mit einem so intensiv ehrenamtlich engagierten Christen wie Gottfried Froschauer ins Gespräch kommt. „In die Begriffe Pfarr-Gemeinden und Pfarre hat man sehr charmant ein Konzept verpackt, das das Reizwort ‚Großpfarre‘ vermeidet“, meint Froschauer schmunzelnd, um aber gleich zu betonen: „Ich finde den geplanten Weg der Diözese positiv und auch alternativlos.“ Das Konzept zeige für ihn klar, dass man die bisherigen Pfarren unter der neuen Bezeichnung „Pfarr-Gemeinden“ weiterleben lassen will. So kann das kirchliche und religiöse Leben vor Ort erhalten bleiben, weil jede Pfarre das tun kann, wozu sie in der Lage ist: „Die Diözese mutet uns mit diesem Weg wirklich etwas zu, aber ich schätze das Zutrauen. Ich erlebe das Konzept der Diözese nicht als Abwälzen der Schwierigkeiten auf die Laien.“
Die Pfarren des Seelsorgeraums Machland – Mitterkirchen, Baumgartenberg, Arbing und Naarn – werden aus Froschauers Sicht mit der neuen Struktur gut umgehen können, weil sie sie vielfach schon leben. Er ist mit der Koordination des Seelsorgeraums betraut. Dazu treffen sich die Seelsorger/innen, Seelsorgeteammitglieder und Pfarrgemeinderatsobleute mindestens dreimal jährlich zum Erfahrungsaustausch, um einander zu bestärken und gemeinsame Aktivitäten zu planen. „Die Seelsorgeteams und Pfarrgemeinderäte tragen jetzt schon viel Verantwortung, das wird in Zukunft noch mehr werden“, betont Froschauer, der die Bedeutung der Verantwortung unterstreicht. Pfarrer Johann Zauner aus Naarn ist für ihn ein Vorbild, wie man Mitarbeiter/innen Vertrauen schenkt und ihnen nicht nur Arbeit, sondern auch Entscheidungen überträgt.
Froschauer weist aber darauf hin, dass das neue Strukturkonzept der Diözese mit der Bereitschaft steht und fällt, dass sich genügend Pfarrmitglieder in Seelsorgeteams engagieren wollen: „Die gewohnte und durch Jahrhunderte gewachsene Versorgungskirche ist am Ende.“ Er ist überzeugt, dass man mit den neuen Strukturen die kommenden 15 bis 20 Jahre gut bewältigen kann. „Länger nicht, denn es fehlen die Jungen in den Pfarren.“ Was danach sein wird, weiß auch er nicht, aber das erstickt nicht die Freude an seinem Engagement. Er tut, was er kann, und das mit Optimismus. Zukünftig hält er zwei Bereiche für wichtig: die Unterstützung der Pfarren durch Hauptamtliche und offene Kirchen. „Die Diözese darf die kleinen Pfarren nicht ruinieren, indem sie ihnen zu wenig Unterstützung durch Hauptamtliche gibt. Da muss das Konzept deutlich nachjustiert werden.“ Und er ist dagegen, Gottesdienste wegen fehlender Priester ausfallen zu lassen. Darum ist er gerne Leiter von Wort-Gottes-Feiern. „Kirchen müssen offen bleiben, in Kirchen muss gebetet werden.“ Möglicherweise wächst dabei Neues, an das zur Zeit niemand denkt.
Gottfried Froschauer
Seit seiner Kindheit ist Gottfried Froschauer mit der Pfarre Naarn verbunden. Die Pfarre hat ihn geprägt und er die Pfarre. Aktuell ist der 59-jährige Bankangestellte im Team des Pfarrcaritas-Kindergartens tätig und Leiter von Wort-Gottes-Feiern. Aus dem Pfarrgemeinderat hat er sich zurückgezogen, da er seit dem Jahr 2000 die Pfarren des Seelsorgeraums Machland koordiniert.
In seiner Freizeit hat sich Froschauer gemeinsam mit seiner Frau Helga dem Pilgern verschrieben. Sie sind bereits – in Etappen – den Jakobsweg gegangen, im kommenden Sommer werden sie zwei Wochen lang auf dem Antoniusweg unterwegs sein, der in Padua beginnt. „Pilgern macht den Kopf frei und stärkt unsere Beziehung als Paar und unseren gemeinsamen Glauben“, das ist Froschauers Erfahrung, die er nicht mehr missen möchte.

Reinhard Macht ist ehrenamtlicher Diakon im SR Jenbach-Münster-Wiesing und Gemeindeberater in der Diözese Innsbruck.
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