Reinhard Macht ist ehrenamtlicher Diakon im SR Jenbach-Münster-Wiesing und Gemeindeberater in der Diözese Innsbruck.
Ist Ihnen das Ja zur KA schwergefallen?
Maria Hasibeder: Zum jetzigen Zeitpunkt schon. Ich stehe an der Schwelle zur Pension, und ich möchte in dieser Zeit natürlich etwas Sinnvolles machen. Wir haben zu Hause gerade eine Baustelle – aber die Wahl ist eben jetzt und nicht später.
Die Kirche ist ja zurzeit auch Baustelle, mit Zukunftsprozess und vielen ungelösten Fragen.
Hasibeder: Die Kirche macht immer wieder negative Schlagzeilen, ist gebeutelt von Missbrauch, Frauen sind nach wie vor untergeordnet. Ich habe auch eine andere Kirche kennengelernt – als Gemeinschaft derer, die das Lebensmodell Jesu schätzen. Der Glaube an die Liebe Gottes ist mir geschenkt, das lässt mich nicht los. Ich habe als Jugendliche tolle Menschen innerhalb der Kirche kennengelernt: Freunde, Priester, Ordensfrauen und von der Kirche eingesetzte Jugendarbeiter/innen, die sich für die Jugend engagiert haben. Diese Kirche wurde mir Heimat.
Geht die Katholische Aktion vorwiegend im Gleichschritt mit der Kirchenleitung oder sehen Sie sie auch als eine Art kritische Opposition?
Hasibeder: Opposition ist nicht unsere grundsätzliche Aufgabe. Es geht um die Verwirklichung des jesuanischen Lebensmodells als gemeinsames Ziel. Natürlich kommt es da zu Diskussionen. Die KA muss kritisch sein, muss streiten, eventuell auch mit der Kirchenleitung. Aber streiten muss man, solange man sich gerne hat. Genauso wichtig ist es, sich zu sagen, was gut läuft und wofür wir dankbar sind. Den Dialog zu führen ist eine wichtige Aufgabe, auch mit Menschen und Gruppierungen, die anders denken und die einem nicht zu Gesicht stehen. Wer hat schon die Wahrheit? Kritisch sein und selber denken ist die Aufgabe jedes Menschen, auch der Katholischen Aktion.
Sie meinen das auch in Bezug auf die Politik, etwa der Regierung gegenüber?
Hasibeder: Ich verstehe mich als Brückenbauerin. Man muss sich schon sehr genau überlegen, ob man in eine Fundamentalkritik einer demokratisch gewählten Partei einstimmen will. Kritik einzelnen Maßnahmen und Meinungen gegenüber ist wichtig, aber nicht als generelle Haltung. „Mit versöhntem Herzen kämpfen“ – dieser Satz aus Taizé begleitet mich von Jugend an.
Der bisherige Präsident Bert Brandstetter meint, die KA würde es in 15 Jahren in dieser Form nicht mehr geben. Teilen Sie seine Meinung?
Hasibeder: Wohin uns der Zukunftsweg der Kirche führt, ist offen. Viele denken darüber nach. Eine selbstständige, vernetzte Laienorganisation ist, glaube ich, für die Kirche sehr wichtig. Die Form ist dem Wandel unterworfen und zweitrangig; ob es einen Präsidenten oder eine Präsidentin gibt, auch. Davor braucht man sich nicht zu fürchten.
Sie sind Direktorin an einer Linzer Schule mit hohem Migranten-Anteil. Was nehmen Sie aus diesen Erfahrungen mit in die KA?
Hasibeder: Am gesellschaftlichen Umbruch und am Aufeinanderprallen der Kulturen war ich ganz nah dran. Die tatsächlich vorhandene kulturelle Kluft, die sich im Alltag zeigt, wird von unseren Institutionen oft unterschätzt. Integration als ein gutes Leben miteinander ist immer ein Geben und Nehmen.
Für Menschen aus anderen Kulturkreisen ist das Sprachelernen zu wenig. Sie brauchen Einstiegshilfen zu unseren Werten, wie es die Rechte von Frauen und Kindern sind, Selbstbewusstsein von Mädchen und Buben, Umgang mit Gewalt, unser Demokratieverständnis und, und, und. Wir müssen zeigen, wo unsere Grenzen sind. Das wird von vielen Migranten und Migrantinnen erwartet. Die meisten Eltern und Schüler sind sehr dankbar, wenn man die Grenzen deutlich macht. Wir können so mithelfen, einen aufgeklärten Islam zu entwickeln.
Sehen Sie das Wirken der KA eher nach innen gerichtet oder nach außen – in die Gesellschaft?
Hasibeder: Beides. Gesellschaftspolitisches Denken und Tun, ein Hineinwirken in den Raum, in dem wir alle leben, ist sicherlich Aufgabe der KA. Das bedeutet, es muss der Diskurs auf allen Ebenen stattfinden. Doch wirksam werden die KA und die Kirche nur, wenn sie aus der Kraft der Spiritualität handeln. Dann ist auch die Angst vor Veränderung nicht das Bestimmende. «
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