Reinhard Macht ist ehrenamtlicher Diakon im SR Jenbach-Münster-Wiesing und Gemeindeberater in der Diözese Innsbruck.
Die Devise ist in Oberösterreich, dass die Pfarren erhalten bleiben. Wenn Sie auf Ihr Dekanat schauen: Bleiben die Pfarrgrenzen so, wie sie sind?
Irmgard Sternbauer: Ich erlebe das im Dekanat so, dass man viel miteinander tun kann, solange die Pfarre erhalten bleibt. Die Leute leben aus der Pfarre und für die Pfarren und sie brennen richtig dafür. In den einzelnen Gemeinden gibt es oft eine über Jahrhunderte geprägte Geschichte, da würde sicher was verloren gehen, wenn man die zusammenlegt. Man will nicht nur das Große, sondern auch die kleinen Einheiten, weil man erlebt hat, dass in den Gemeinden viel verloren gegangen ist durch die Schließung von Wirtshäusern und Postämtern.
Hat sich die Rolle der Laien in den letzten Jahren verändert?
Sternbauer: Dadurch, dass es weniger Priester gibt, hat sich das natürlich verändert. Das Bewusstsein der Laien ist anders geworden. Ein Beispiel: Lange Zeit hat es ausgebildete Wortgottesdienst-Leiter gegeben. Hat man sie gebraucht, weil kein Priester da war, hat man sie eingesetzt, sonst aber nicht. Da hat sich das Bewusstsein schon verändert. Die Laien akzeptieren es nicht mehr so leicht, dass sie bloß Notnagel sein sollen.
Bringt das auch Chancen mit sich?
Sternbauer: Ja, weil sich das Engagement oftmals auf mehrere Personen aufteilt. Unterschiedliche Charaktere sprechen wieder unterschiedliche Leute an, eine gewisse Vielfalt ermöglicht einen größeren Einsatz und mehr Begeisterung.
Auf welche Veränderungen muss man sich einstellen, wenn man bis 2030 schaut? Welche Fragen muss man sich dabei stellen?
Sternbauer: Was die Leitung der Pfarren betrifft wird es immer enger. Verändern wird sich, dass Menschen noch bewusster auswählen, wo sie sich ehrenamtlich engagieren, was für sie der eigene Nutzen ist. Die wenigsten werden es in zehn Jahren für den Pfarrer oder die Pfarrseelsorgerin tun. Die Frage ist auch: Wenn ich es nicht nur für Christus tue, was ist auch für mich dabei? Eine Zukunftsfrage betrifft die Glaubenskommunikation. Wie kann man den Glauben bzw. die christliche Botschaft so vermitteln, dass das mit dem Leben heute etwas zu tun hat? Dass der andere spürt: Ja davon kann ich leben.
In Österreich ist das Tempo in den einzelnen Diözesen sehr unterschiedlich, was Veränderungen betrifft. Was ist das richtige Tempo?
Sternbauer: Ich bin eher für das Pilgertempo, zumindest für das Dekanat Freistadt. Dass man mehr darauf schaut, was am Wege noch da ist.
Was gibt Ihnen Hoffnung für das Dekanat?
Sternbauer: Auf der einen Seite ist es schade, dass wir Katholiken nicht mehr die große Menge sind. Auf der anderen Seite ist es auch eine Chance zu schauen, was unseren Kern ausmacht, jenseits von Konsumieren von kirchlichen Leistungen. Ich glaube, dass die Leute Feuer gefangen haben im Glauben und in der Kirche. Die tragen das nach wie vor mit Begeisterung.
Jugend. In der Jugendpastoral findet sich ein gelungenes Beispiel des Zusammenwirkens auf Dekanatsebene: die jährliche Firmvesper (siehe Bild oben). Heuer im April fand unter dem Motto „Vorglühen“ eine Firmvesper für rund 300 Firmlinge statt. Voran gingen unterschiedliche Workshops, welche von Pfarren und anderen lokalen Organisationen angeboten wurden. Zum Chill-out fanden sich anschließend noch viele Firmlinge und Begleitpersonen bei DJ und Snack im Pfarrhof ein.
Seelsorgeraum. Im „Seelsorgeraum Rainbach, Leopoldschlag, Windhaag, Sandl, Grünbach“ wird Wert auf Vielfalt, Austausch und Vernetzung gelegt. Besonders wichtig ist allen fünf Pfarren, ihren Glauben vor Ort zu leben und Kirche in der Pfarre zu gestalten. Die eigene Individualität und der Weitblick in den Seelsorgeraum gehen somit Hand in Hand. Hauptamtliche und ehrenamtliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen verstärken und ergänzen sich in der Liturgie, der Öffentlichkeitsarbeit, der Kinder- und Jugendpastoral, der Firmpastoral, in der Katholischen Aktion und weiteren pastoralen Bereichen.
Mehr zu den Pfarren auf den Seiten 8 – 11.

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