Reinhard Macht ist ehrenamtlicher Diakon im SR Jenbach-Münster-Wiesing und Gemeindeberater in der Diözese Innsbruck.
Hermann Stieglecker (1885–1975) war als „Priester, der sechzig Sprachen beherrschte“, in Oberösterreich bekannt, wenige aber wissen, dass seine Veröffentlichungen über den Islam eine Pionierleistung bedeuteten, mit denen er seiner Zeit weit voraus war. Schon in den 1930er-Jahren stellte er den Islam nicht in abwertend-abwehrender Weise dar, sondern so wie gläubige Muslime ihn selbst verstehen. Das ist die Perspektive, mit der drei Jahrzehnte später das Zweite Vatikanische Konzil das Verhältnis der Kirche zum Islam beschreibt: respektvoll und die Gemeinsamkeiten betonend. Ob Pfarrer Stieglecker über Kardinal Franz König, der mit ihm in Kontakt war, unmittelbar das Konzilsdekret „Nostra Aetate“ beeinflusst hat, lässt sich schwer sagen, auf jeden Fall aber hat Stieglecker das vatikanische Sekretariat für Nichtchristen inspiriert, das 1964 gegründet wurde. Kardinal König freute sich, dass Stiegleckers Monumentalwerk „Die Glaubenslehren des Islam“ den Grundstein für die Arbeit des Sekretariats gelegt hat. Das Buch ist bis heute richtungsweisend und soll neu aufgelegt werden.
Das Forum für Weltreligionen veranstaltet mit dem Institut für Orientalistik der Uni Wien im Stift St. Florian vom 16. bis 18. September 2018 einen wissenschaftliches Symposium über Hermann Stieglecker. (Stieglecker hat im Stift St. Florian Altes Testament gelehrt und dort lange Zeit gelebt.) Der erste Halbtag der Tagung ist aber nicht nur für Expertinnen und Experten, sondern für jeden am Verhältnis zwischen Christentum und Islam Interessierten einen Besuch wert. Am Sonntag, 16. September 2018 referieren im Altomontesaal des Stiftes ab 15 Uhr: Zekirija Sejdini über den Islam als Volksreligion, Philipp Bruckmayr über das Leben Stiegleckers und Klaus von Stosch über Stiegleckers wegweisende Annäherungen an den Islam. Abschließend spricht der langjährige bayerische Kultusminister Hans Maier über den „einen Gott und die Vielzahl der Klänge“. Er nimmt dabei auf die Musik Anton Bruckners Bezug.
Kontakt: www.weltreligionen.at

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