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NS-Gegner Pfarrer Franz Eiersebner: „Viel Hunger, wenig Brot“

KIRCHE_OÖ

Die Nazis verhafteten den NS-Gegner Pfarrer Franz Eiersebner, die Diözese erhielt nun zwei persönliche Erinnerungsstücke an ihn.

Ausgabe: 16/2024
16.04.2024
- Heinz Niederleitner
Franz Erwin Eiersebner (re.) übergab Bischof Manfred Scheuer zwei Erinnerungsstücke seines Onkels Pfarrer Franz Eiersebner aus dessen Zeit im Zuchthaus Straubing: einen Löffel und ein kleines Taschenmesser.
Franz Erwin Eiersebner (re.) übergab Bischof Manfred Scheuer zwei Erinnerungsstücke seines Onkels Pfarrer Franz Eiersebner aus dessen Zeit im Zuchthaus Straubing: einen Löffel und ein kleines Taschenmesser.
© nie/KiZ

Die Schachtel, die Franz Erwin Eiersebner Bischof Manfred Scheuer übergibt, enthält einen Esslöffel und ein Taschenmesser. Solche Gegenstände mag es zu Tausenden geben, aber diese zwei sind etwas Besonderes, sie stehen für eine wahre Geschichte.

 

Zweimal verhaftet


Auf dem Löffel finden sich Beschriftungen: „Viel Hunger, wenig Brot“ und „367/44 Straubing“ sind zu lesen. „367/44“ war die Häftlingsnummer des Priesters Franz Eiersebner im „Zuchthaus“ Straubing (Bayern). Dorthin war der aus Roitham am Traunfall stammende Oberösterreicher über das KZ Dachau gekommen. Verhaftet hatten ihn die Schergen des NS-Regimes 1944 in Bad Goisern, wo er Kaplan war. Feindsender soll er gehört haben und durch regimefeindliche Parolen die Wehrkraft zersetzt. Damals war er für die Nazis kein Unbekannter mehr: Bereits 1938 war er als Kaplan in Schärding wegen regimekritischer Äußerungen verhaftet worden.

 

 

Pfarrer in Pierbach


Zu Kriegsende kam Eiersebner frei, schlug sich bis zum heimatlichen Hof in Roitham durch, wo der abgemagerte Mann wieder zu Kräften kam, bevor er wieder in der Seelsorge tätig wurde. 


Von 1949 bis 1969 war Eiersebner Pfarrer in Pierbach. Die zu Halbwaisen gewordenen Söhne seiner Schwester waren oft bei ihm, wie Neffe Franz Erwin Eiersebner berichtet. Ihm gab der Pfarrer, der 1969 starb, den Löffel und das Taschenmesser aus der Zeit seiner Gefangenschaft. Das Messer, so berichtete er seinem Neffe, sei dafür gedacht gewesen, im Ernstfall nicht durch die Hand der NS-Schergen zu sterben.


Neffe Franz Erwin Eiersebner brachte nun, begleitet von seinem Cousin Claus Eiersebner und dem früheren Salzburger Caritas-Direktor Johann Kreuzeder, den Löffel und das Messer der Diözese Linz. Bischof Scheuer ersuchte im Rahmen des Gesprächs Klaus Birngruber, dem Leiter des Diözesanarchivs, weitere Nachforschungen über das Schicksal Eiersebners anzustellen. 

 

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