Reinhard Macht ist ehrenamtlicher Diakon im SR Jenbach-Münster-Wiesing und Gemeindeberater in der Diözese Innsbruck.
Ein Pfad aus rot leuchtenden Grabkerzen weist den Weg durch die Dunkelheit des Barbarafriedhofs. Die rote Lichterkette entlang eines Teils der mehr als 20.000 Gräber wird da und dort unterbrochen von eng nebeneinander aufgestellten weißen Grablichtern. Sie markieren die Begräbnisstätten berühmter Persönlichkeiten. Adalbert Stifter und seine Gattin Amalia liegen dort, Enrica Handel-Mazzetti, und an der vorletzten der zehn Stationen: „ein Mensch“. Überall gibt es zu lesen, was die Persönlichkeiten einem für das Leben mitgeben können. Impulse, von der Katholischen Jugend gestaltet, dazu Papier-Herzen zum Mitnehmen.
Nächtliches Labyrinth ohne Angst – die Lichter weisen einen sicheren Pfad. In der Ferne: Licht. Es ist eine kleine Friedhofskapelle mit offenen Türen, aus deren Innerem heller Kerzenschein strahlt.
Friedhöfe wie der Barbarafriedhof sind vertraut, dieser nach der Langen Nacht der Kirchen sogar im Dunkeln. Wie aber sehen die Religionen der Welt den Tod? Beim Eingang in der Aufbahrungshalle ist die Antwort zu finden: Große Schautafeln stellen unterschiedliche Bräuche und Formen der Bestattung von Menschen vor. Andrea Mayer-Edoloeyi, die Leiterin der Ausstellung: „Jede Religion hat ihre eigene Art, mit dem Tod umzugehen. Dennoch gibt es große Gemeinsamkeiten. Der würdevolle Umgang mit dem toten Körper des Menschen beispielsweise.“
Je später, je dunkler, desto mehr Menschen wagen sich in den Friedhof. Es sind jedoch vorwiegend ältere Menschen, die in diesen Stunden die Gräber aufsuchen. Eine Besucherin meint: „Viele Leute wollen nicht herkommen. Keiner will über das Sterben reden. Man kommt aber irgendwann in das entsprechende Alter.“
Andrea Mayer-Edoloeyi dazu: „Bei jungen Menschen sind Tod und Sterben im Alltag selten ein Thema. Es kann aber sehr schnell zum Thema werden, wenn die Oma stirbt oder womöglich eine Schulkollegin einen Unfall hat. Dann ist es besonders wichtig, gute Möglichkeiten zu schaffen, damit sich Jugendliche mit diesem Thema befassen können.“
In der Langen Nacht der Kirchen ist der Barbarafriedhof kein Magnet für die Jugend, trotz der auch in Linz existierenden Jugendkulturen, die sich vom Tod inspirieren lassen. Vom Anfang bis Mitternacht folgte keine Handvoll junger Leute dem Pfad durch den Friedhof. Eine Studentin tat es: „Ich habe hier im Friedhof Verwandte und als Theologiestudentin interessiert es mich besonders, wie andere Religionen ihre Verstorbenen bestatten. Es ist etwas Besonderes, eine solche Ausstellung an einem Friedhof stattfinden zu lassen.“
Neben den Fragen, die das Leben und den Tod betreffen, bot der Barbarafriedhof in der Langen Nacht insbesondere für Jugendliche noch andere Impulse: „Der Rundgang führt zu Persönlichkeiten, die als Vorbilder dienen können“, erinnert Andrea Mayer-Edoloeyi: „Er führt zur Grundsatzfrage: Was will ich in meinem Leben und was ist mir wichtig. Diese Frage stellen sich junge Leute. Sich diese Frage am Friedhof zu stellen, ist vielleicht ungewöhnlich. Aber es ist auch ein Ort, der exakt dazu einlädt, diesen Blick auf das Ganze zu richten.“
Bilder einer Langen Nacht
Rund 100 Kirchen, Klöster, Kapellen und kirchliche Einrichtungen von neun christlichen Konfessionen öffneten bei der 13. Langen Nacht der Kirchen in Oberösterreich ihre Türen und luden zu mehr als 350 Veranstaltungen ein, 115 davon allein in Linz.
Grade noch rechtzeitig lichteten sich die Regenwolken – und ein schöner Abend erwartete die Besucher/innen der Langen Nacht in Linz. Das biblische Leitwort der heurigen Langen Nacht der Kirchen lautete: „Auch blieben sie die Nacht über um das Haus Gottes“.
Besonders viel wurde heuer für Kinder geboten. So konnten Kinder in der Pfarrkirche Aspach auf Schatzsuche gehen oder in der Pfarrkirche Neukirchen am Walde an einer Turmführung teilnehmen. Bei einer Kinder-Kirchen-Rallye entdeckten kleine Kirchenmäuse die Geheimnisse der Marienkirche in Peuerbach. In der Pfarrkirche Unterweißenbach fand unter dem Titel „Orgelmaus“ ein Gesprächskonzert für Kinder statt – und auch ein Kirchenquiz durfte nicht fehlen. Ein Kinderprogramm inklusive Kinderführungen wurde auch in der Stadtpfarrkirche Steyr angeboten – und natürlich auch im Linzer Mariendom.
Auch gesellschaftspolitische Fragen hatten Platz in der Langen Nacht. So wurde das Thema Obdachlosigkeit in Linz mit einer Stadtführung unter diesem Gesichtspunkt aufgegriffen.

Reinhard Macht ist ehrenamtlicher Diakon im SR Jenbach-Münster-Wiesing und Gemeindeberater in der Diözese Innsbruck.
Turmeremitin Birgit Kubik berichtet über ihre Woche in der Türmerstube hoch oben im Mariendom Linz >>

Die KIRCHENZEITUNG bietet vielfältige Angebote für Pfarren:
Jetzt die KIRCHENZEITUNG 4 Wochen lang kostenlos kennen lernen. Abo endet automatisch. >>