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Bischof Scheuer zum Tag des Judentums

Juden und Christen sind "Partner, Verbündete und Brüder" für Gerechtigkeit und Frieden

Kirche OÖ

Bischof Manfred Scheuer hat sich zum "Tag des Judentums" klar mit Juden solidarisiert und Tendenzen eines wieder aufkeimenden Antisemitismus in Europa und auch in Österreich scharf zurückgewiesen.

 

 

17.01.2022
- Kathpress / AME
Bischof Manfred Scheuer: Die Messiaserwartung der Juden hilft den Christen/innen, 'nicht im eigenen Glauben die eschatologische Dimension zu vergessen'.
Bischof Manfred Scheuer: Die Messiaserwartung der Juden hilft den Christen/innen, "nicht im eigenen Glauben die eschatologische Dimension zu vergessen".
© hermann wakolbinger

So wie der Name Gottes in der Schoah durch die Ermordung von sechs Millionen Juden geschändet worden sei, sei auch der heutige Antisemitismus ein "Anschlag auf die Heiligkeit des Ewigen", erklärte er in einer Botschaft zu dem Aktionstag, mit dem sich die katholische Kirche jährlich am 17. Jänner ihrer engen Verbindung zum Judentum besinnt.

 

Juden und Katholiken sollten sich trotz aller unüberwindbaren Differenzen gemeinsam und als "Partner, Verbündete und Brüder" für Gerechtigkeit und Frieden einsetzen und Antisemitismus bekämpfen.

 

Christen hätten dem Judentum mit einer von Scham, Reue, Umkehr und Buße geprägten Haltung zu begegnen, forderte der Bischof mit Blick auf die "Last der Geschichte" vergangener Judenverfolgungen. Christen seien "Erben einer langen Geschichte von Feindseligkeit und Hass, von Verachtung, von Vorurteilen und religiösem Zwang, von Streit und Verfolgung".

 

Dazu gehörten auch "Ignoranz und Unwissenheit, Herabsetzung und Misstrauen, Verdächtigungen und schließlich die Shoa". Christen dürften daher gegenüber Juden niemals als neugierige Beobachter, Kritiker, Richter oder gar als neutrale Zuschauer aufzutreten.

 

Wichtige Lernerfahrung

 

Unverzichtbar sei das Judentum für die Christen, "um sich selbst zu verstehen", hob der Linzer Diözesanbischof hervor. Vom Glaubenszeugnis Israels und von der religiösen Praxis von Jüdinnen und Juden könnten Christen viel lernen und dabei auch ihr "Gottesbewusstseins" reinigen.

 

Dazu gehöre das Bewusstsein, dass im Neuen Testament nie behauptet werde, Israel sei verworfen worden. Vielmehr sei die Kirche von Anfang an der Auffassung gewesen, Juden seien wichtige Zeugen der göttlichen Heilsordnung geblieben. Scheuer: "Sie versteht ihre eigene Existenz als eine Teilhabe an der Erwählung Israels und an der Berufung, die in erster Linie diejenige Israels bleibt, selbst wenn nur ein kleiner Teil Israels sie angenommen hat."

 

Besonders von der in jüdischer Tradition als absolut höchster Wert angesehenen Heiligkeit Gottes und seines Namens könnten die Christen laut dem Bischof lernen. Jede Instrumentalisierung und Funktionalisierung Gottes sei im Judentum ausgeschlossen und es widerspreche der Heiligkeit Gottes, "wenn persönliche, wirtschaftliche oder politische Interessen verabsolutiert werden und nicht mehr differenziert wird zwischen der eigenen Überzeugung und der Absolutheit Gottes, zwischen dem 'Ich' mit seiner Freiheit und Gott, zwischen der Nation oder 'Rasse' und dem transzendenten Gott, zwischen der 'Blase' und dem Reich Gottes".

 

Insgesamt seien das jüdische Volk und seine Heilige Schrift "Wurzeln", auf die sich das Christentum besinnen müsse - als seine heilsnotwendige "Lebensfrage", so Bischof Scheuer weiter. Die Messiaserwartung der Juden helfe den Christen, "nicht im eigenen Glauben die eschatologische Dimension zu vergessen". Unterschiedlich sei dabei nur, "dass für uns derjenige, der kommen soll, die Züge dieses Jesus trägt, der bereits gekommen ist und der schon unter uns gegenwärtig und wirksam ist". Wenn Christen im Vaterunser "dein Reich komme" beten, sei dies zudem eine "jüdische Bitte, deren zukunftsbezogener Sinn Inhalt der Ökumene aus Christen und Juden ist".

 

Weggemeinschaft und Gedenken

 

Österreichs christliche Kirchen feiern seit 2000 jährlich am 17. Jänner den "Tag des Judentums". Dabei sollen sich die Christen in besonderer Weise ihrer Wurzeln im Judentum und ihrer Weggemeinschaft mit dem Judentum bewusst werden. Zugleich soll auch das Unrecht an jüdischen Menschen und ihrem Glauben in der Geschichte thematisiert werden. Dies erfolgt im Rahmen von Gottesdiensten und weiteren Gedenk- und Lernveranstaltungen.

 

Neben einer zentralen Feier des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRKÖ) am Montag um 18 Uhr in Wien sind im Umfeld des Tages auch Feiern in Linz, Graz, St. Pölten, Innsbruck, Salzburg, Hohenems, Wolfsburg angesetzt.

 

Mehr zum Thema in der KiZ:

Tag des Judentums

Von Verschwörungsmythen und Hemmschwellen

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