Reinhard Macht ist ehrenamtlicher Diakon im SR Jenbach-Münster-Wiesing und Gemeindeberater in der Diözese Innsbruck.
Was ist Sinn der Dekanate?
Slawomir Dadas: Sie sollte eine Hilfe sein, um in einer Region die Zusammenarbeit der Pfarren und der Stellen der kategoriellen Seelsorge zu unterstützen und zu koordinieren. Das gemeinsame Schauen auf eine größere Einheit, die gemeinsame Übernahme der Verantwortung in einem überschaubaren Raum sensibilisiert für die Lebenswelt der Menschen, die nach Gott fragen, Gott suchen, in verschiedenen Lebenssituationen intensive Begegnungen mit ihm erfahren wollen. Die Dekanatsstruktur erweitert den Horizont und schützt vor der Abschottung und Abkapselung in einer einzelnen Gemeinde.
Dekanate sollten auch die Zusammenarbeit unter den Pfarren fördern. Gelingt das?
Slawomir Dadas: Es gelingt nur dort, wo jemand bereit und imstande ist, sich als Teil der großen Kirche zu verstehen. Leider erfahren wir immer wieder eine sehr enge Sicht des religiösen Lebens und eine Enge in der Sorge um das Heil aller Menschen. Auch einige Pfarrgewohnheiten – nicht über den eigenen „Tellerrand“ hinaus zu schauen– verhindern Gemeinschaft. Bei Menschen, denen es vor allem um den Glauben, nicht ausschließlich um alte Traditionen geht, gelingt die Zusammenarbeit und die gegenseitige Bereicherung sehr gut.
Das Dechanten-Amt war früher sehr angesehen. Und heute?
Slawomir Dadas: Wenn das Ansehen im Sinne der Macht und der „klerikalen Ehrwürdigkeit“ in der Kirche verstanden wurde, dann bin ich sehr froh, dass es das Ansehen in dieser Form nicht mehr gibt. Dechant zu sein bedeutet, einen zusätzlichen Dienst für die Gemeinschaft zu übernehmen, die Kirche und den Bischof in einer Region zu vertreten. Dazu würde man schon die Begabung brauchen, in größeren Räumen denken zu können und die Vielfalt zu fördern. Ich meine nicht, dass jeder Priester automatisch ein Dechant in diesem Sinne sein kann, aber ich bin überzeugt, dass jeder Priester es lernen müsste, etwas von dem „katholischen“ – also allumfassenden – Blick in der Seelsorge zu haben, dass er nicht nur Seinesgleichen anspricht und die anderen vertreibt.

Reinhard Macht ist ehrenamtlicher Diakon im SR Jenbach-Münster-Wiesing und Gemeindeberater in der Diözese Innsbruck.
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